Von Michael Winter
15. August 2005 Kurz vor der französischen Revolution erfindet der Taschenphilosoph Retif de la Bretonne in seinem Buch Der fliegende Mensch die Megapatagonier: Riesen, die rückwärts Französisch sprechen und den dummen Europäern die wahren Zusammenhänge des Lebens und des Universums auseinandersetzen. Die Vorstellung von Riesen, die an der Südspitze Südamerikas leben, kursieren seit der Entdeckung Feuerlands durch Magellan im Jahr 1521.
1977 erschien der Reisebericht des englischen Schriftstellers Bruce Chatwin über Patagonien, in dem von europäischen Fabeln über Riesen und Halbmenschen die Rede ist. Die kann man sich noch heute vorstellen, wenn man durch die verwunschenen Wälder des Parque Torres del Paines im chilenischen Patagonien reitet. Hier liegt das Explora Hotel Salto Chico weitab von aller Zivilisation. Man schaut auf einen See, der so grün ist, als sei er gekachelt. Dahinter erhebt sich ein Bergmassiv, das es nur in Traumlandschaften gibt. Kein Ort auf der Welt ist so verlockend. Wenn Landschaft je zu einer Oper werden kann, die alles Leid und alle Sehnsucht in einem Ton vereinigt, dann findet man sie hier. Dafür aber keine weisen Riesen.
Bildmaterial: Taschen Verlag