27. Februar 2006 Der Bankräuber ist eine mythische Figur. Er läßt sich mit Bedeutung aufladen, wo in Wirklichkeit keine war.
Das Liebes- und Gangsterpaar Bonnie und Clyde stieg schon zu Lebzeiten zur Legende auf. Arthur Penn verfilmte die Geschichte 1967 mit Faye Dunaway und Warren Beatty. Anders als der Film glauben machen will, waren Bonnie und Clyde aber nicht für spektakuläre Banküberfälle bekannt, sondern wurden wegen zahlreicher anderer Delikte gesucht. Bei dem Pärchen handelt sich weder um Helden noch um Killer, sondern um frühe Hippies, die von einem aufregenden Leben träumen, so wie die Kinozuschauer auch.
Liebe, Freundschaft, Familie, Loyalität
Der typische Kinoheld hat wenig mit dem Gros der Bankräuber gemein. Auf der Leinwand kämpfen durchaus sympathische Menschen nicht so sehr ums Geld als um Liebe, Freundschaft, Familie oder Loyalität. Curd Jürgens nimmt als tollkühner "Schinderhannes" den Reichen das Geld ab und gibt es den Armen.
In modernen Zeiten möchte so mancher Bankräuber in der Schalterhalle am liebsten eine Sozialrevolution anzetteln. Andere verschaffen sich als Gentelman-Verbrecher Respekt, die im Rolls-Royce vorfahren. Der Dieb Georges in Louis Malles Film "Le voleur" ist ein solcher echter Gentleman, der das Klauen aus Leidenschaft und mit höchster Eleganz betreibt. Georges verkörpert aber auch ein anarchisches Grundbedürfnis.
Kapital schlagen aus dem Kapitalismushaß
Das Kino weiß aus dem Kapitalismushaß der Leute Kapital zu schlagen. Schon 1903, der Film steckte noch in den Kinderschuhen, drehte Edwin S. Porter "The Great Train Robbery". Vorbild waren die berüchtigten Reno-Brüder, die 1866 einen Zug der Ohio and Mississippi Railroad überfielen und 10.000 Dollar erbeuteten.
Der vermutlich erste Überfall auf einen Postwaggon der Eisenbahn traf seinerzeit auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Für fünf Cent waren jetzt auch Kinobesucher dabei. Es folgte eine ganze Serie von Filmen über Eisenbahnräuber. Und wenn gerade kein Zug über die Leinwand raste, dann war es eben eine Postkutsche. "Caper Movies" wurde das Genre genannt, das sich in den vierziger Jahren in Hollywood etablierte.
Später wurden wieder öfter Banken ausgeraubt wie in "Thieves Like Us", einem Gangsterfilm von Robert Altman, oder von Al Pacino in "Dog Day Afternoon". "Klauen wir gleich die ganze Bank" hieß in Deutschland die Krimikomödie "The Bank Shot".
Text: chf., Allgemeine Sonntagszeitung, 26.02.2006, Nr. 8 / Seite 51
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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