Die besten Aktien für umweltbewusste Investoren

Mit gutem Gewissen Geld verdienen. Das geht auch mit BMW oder Allianz. Sie wurden zu den besten Umweltschützern ihrer Branche erklärt. Von Thomas Schmitt

22. September 2007 Moral hat an der Börse nichts zu suchen. So denken viele. Doch immer mehr Investoren, kleine wie große, lehnen das ab. Ihnen ist nicht mehr egal, wie ein Unternehmen mit seinen Leuten umgeht. Wie es seine Lieferanten behandelt. Ob es Energie verschwendet, die Luft verpestet oder seine Ressourcen verschleudert. Denn mittel- bis langfristig bestimmt auch dies den Erfolg.

Selbst große Pensionsfonds wie Calpers aus Kalifornien verlangen daher nun: Ein Investment soll nicht nur profitabel sein, sondern auch ethischen Kriterien genügen. Insbesondere der Klimawandel spielt eine immer größere Rolle. Doch welche Unternehmen sind da gut? Antworten liefern seit Jahren der Schweizer Vermögensverwalter Sam und der Index-Anbieter Dow Jones.

Die Analysten von Sam analysieren und bewerten mehr als 2000 der größten Unternehmen danach, ob und wie stark sie "nachhaltig" wirtschaften. Dies bedeutet: Wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte werden in ein Urteil gegossen. Weil sich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen schwer nach diesen Kriterien vergleichen lassen, sucht Sam nicht die Perfekten, sondern nur jeweils die Besten ihrer Klasse: einen aus jeder Branche, manchmal auch vier. So entstand der Dow Jones Sustainability World Index, der mehr als 300 Unternehmen umfasst. Alle sind im Vergleich zur Konkurrenz recht sozial und umweltbewusst.

Obwohl dieser Index noch nicht so bekannt ist, reißen sich viele Unternehmen darum, aufgenommen zu werden. So verkündete der Auto-Konzern Daimler-Chrysler kürzlich voller Stolz, dass er bereits im dritten Jahr hintereinander dabei ist - neben BMW, Volkswagen und Toyota. Der Stromversorger Eon gehört erstmals zum Kreis jener, zu denen andere Firmen in der Branche hochschauen. Dies sei "ein Ansporn, die Dimension Nachhaltigkeit noch stärker bei allen Entscheidungen zu berücksichtigen", erklärte Eon-Chef Wulf Bernotat.

Bloß hehre Versprechen von Konzernen, die sich ein grünes Mäntelchen umhängen möchten? Mitnichten, sagt Alexander Barkawi, Direktor des Index-Erfinders Sam. Immer mehr Unternehmen definierten Nachhaltigkeit als Ziel und machten sogar Bonuszahlungen davon abhängig. Manche Unternehmen arbeiteten sogar systematisch die Schwachstellen ab, die Sam gefunden hat.

Noch hängt an den Nachhaltigkeitsindizes von Sam nicht viel Geld, erst 5,5 Milliarden Dollar. Doch dieses Volumen hat sich in vier Jahren schon verdoppelt. Und professionelle Investoren zeigen unabhängig von Sam, dass sie unternehmerische Verantwortung neu definieren. Kürzlich fand sich eine Gruppe, die mehr als 4000 Milliarden Dollar verwaltet. Sie forderte von Amerikas Wertpapieraufsicht SEC, amerikanischen Unternehmen in Klimadingen stärker auf die Finger zu schauen. Mehr als die Hälfte der 500 größten amerikanischen Aktiengesellschaften mache in Sachen Klimawandel einen "armseligen Job". Weiter sind da viele europäische Firmen, wenngleich noch viel zu tun ist, wie die Sam-Analysten anmerken.

Wer auf die Großunternehmen setzen will, die derzeit am besten dastehen, findet in dem DowJones-Index eine Leitlinie. Sam hat daraus noch einmal die 18 nachhaltigsten Unternehmen zusammengestellt. Sie bilden ein breites, länderübergreifendes Portfolio guter Unternehmen, in die auch Privatanleger langfristig investieren können. Entweder picken sie sich einzelne heraus oder kaufen gleich alle 18. Die Liste sollte aber einmal im Jahr überprüft werden.

Umweltbewusste und besonders moralische Investoren lehnen das Konzept dennoch als zu vage und undifferenziert ab. Die meisten der so hoch gelobten Unternehmen belasteten die Umwelt immer noch stark - wenn auch weniger als Konkurrenten. So zähle der Autoverkehr zu den großen Verursachern von Umwelt- und Klimaschäden. "Das Konzept von Sam halte ich aus der Sicht von ökologisch interessierten Investoren für eine Mogelpackung", sagt Norbert Schnorbach von Securvita. Umweltorientierte Investoren wollten keinesfalls auf die "größten Klimasünder" setzen, sondern gleich auf "saubere" Unternehmen, wie sie etwa im Naturaktien-Index enthalten sind. BMW oder Statoil, die als Klima-Leader bei Sam fungieren, hätten hier also überhaupt keine Chance.

Unterstützt wird Schnorbachs Konzept von der katholischen Kirche. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will nämlich bei der Geldanlage Verantwortung übernehmen. "Private und kirchliche Anleger sollten ihre Finanzen nicht irgendwie und irgendwo bei einer Bank deponieren, sondern gezielt nach ethischen Kriterien anlegen." So könnten Geldanlagen den Zielen Gerechtigkeit, Frieden und Nachhaltigkeit dienen und würden nicht für Rüstung, Atomkraft und Umweltzerstörung verwendet.

Dass so Geld zu verdienen ist, belegt der Naturaktien-Index. In zehn Jahren hat er sich mehr als verfünffacht. Der Dax war längst nicht so gut, auch der breit angelegte, nachhaltig ausgerichtete Weltindex von Dow Jones nicht - offenbar sind da noch zu viele Klimasünder drin.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.09.2007, Nr. 38 / Seite 55

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