Psychopharmaka

Die „kleinen Helfer“ - Wirkungen und Nebenwirkungen

Von Margarete Hucht

29. Januar 2007 Benzodiazepine (z. B. Diazepam wie Valium oder Lorazepam wie Tavor)
Benzodiazepine sind Tranquilizer. Aufgrund ihrer ausgeprägt angstlösenden und entspannenden Wirkung führen sie schnell zu Gewöhnung und Abhängigkeit. Die Anwendung von Benzodiazepinen sollte so kurz wie möglich und die Dosis so gering wie möglich sein. Auch unter ärztlicher Kontrolle ist es nicht einfach, die individuell richtige Dosis zu finden, die beruhigt, aber nicht gleichsam hammermäßig die Sinne betäubt. Suchtgefahr!

Amphetamine
Amphetamine (= Aufputschmittel) schütten im Gehirn Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin aus. Körperbedürfnisse wie Hunger, Durst, Müdigkeit und Schmerzen werden mehr oder weniger ausgeschaltet. Das Selbstbewusstsein wird gesteigert, die Aggressionsschwelle gesenkt. Beträchtliche Nebenwirkungen wie Leberschäden, Krampfanfälle und Schlafstörungen - Suchtgefahr!

Betablocker
Betablocker hemmen die Wirkung einiger Stresshormone wie insbesondere Noradrenalin und Adrenalin. Sie führen dadurch zu einer Senkung von Pulsfrequenz und Blutdruck, außerdem zu einer geringeren Schlagkraft und Erregbarkeit des Herzens. Einnahme nur in Absprache mit einem Arzt: Herzkreislauf-Verhältnisse checken!

Antidepressiva
Antidepressiva haben eine stimmungsaufhellende Wirkung und sind zur Leistungsstimulanz nicht zu empfehlen. Sie wirken zu verzögert, frühestens nach zwei Wochen. Sie sind zudem rezeptpflichtig!

Zum Thema

Fluoxetin (z. B. Prozac/Fluctin)
Das Antidepressivum Prozac (deutsch: Fluctin) wird unter dem Modestichwort Neuro Enhancement immer öfter auch von Gesunden illegal eingenommen. Prozac gilt als derzeit sehr umstrittene Glückspille, die Ausgeglichenheit und Intelligenz fördern soll sowie das Schlafbedürfnis senkt. Die Welt wird entgegen der Realität als dauer-rosig angesehen.

Johanniskraut (z. B. Neurapas balance)
Pflanzliches Antidepressivum. Freiverkäufliche Präparate sind oft sehr niedrig dosiert, mögliche Nebenwirkungen wie Lichtempfindlichkeit und Beeinträchtigung der Wirkung von Anti-Baby-Pillen kommen eher selten vor.

Kava-Kava (deutsch: Rauschpfeffer)
Wirkt angstlösend und mindert Spannungszustände, macht leicht euphorisch und gesprächig. Das Mittel ist in Deutschland seit 2002 nicht mehr zugelassen.

Vita Gerin geistlich
Das Mittel zur Selbstmedikation aus dem Hause Klosterfrau enthält die Vitamine A, B1, B2, B6 C, E sowie Mineralstoffe wie Eisen, Calcium und Magnesium. Eine leistungssteigernde Wirkung kann medizinisch nicht nachgewiesen werden.

Traubenzucker und B-Vitamine
Sie schaden immerhin nicht, aber eine leistungssteigernde Wirkung kann medizinisch nicht nachgewiesen werden.

Natürliches Doping
Sport, Yoga, autogenes Training, gute Beziehungen, erholsame Hobbys, ein angemessener Lebens- und Arbeitsrhythmus, Lerntechniken, Zeitmanagement sowie ausreichender Schlaf - das alles steigert die Arbeitskraft auf natürliche Weise. Der kleine Haken: Ein mittel- und langfristiger Erfolg verlangt Wille, Fleiß und Disziplin.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 88, 2007

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