27. Juni 2008 bes. LONDON, 27. Juni. Der Preis für Rohöl hat zum Wochenende seinen Aufwärtstrend wiederaufgenommen und mit mehr als 142 Dollar je Barrel (Sorte Brent) einen Rekord erreicht. Mehrere Wochen hatte der Ölpreis zuvor um 135 Dollar je Barrel geschwankt. Am Freitag notierte der Ölpreis in London (Sorte Brent) jedoch bei 141 Dollar, nachdem er zuvor die Aktienmärkte mit seinem Höchststand von fast 142,13 Dollar auf Talfahrt geschickt hatte. "Dieser Preissprung könnte bestätigen, dass der Ölpreis nun als Nächstes auf 155 Dollar steigt", heißt es bei Barclays Capital.
Am Freitag hatte der Präsident des Clubs der Erdöl exportierenden Länder (Opec), Chakib Khelil, gesagt, in den kommenden Monaten könne der Ölpreis auf 170 Dollar je Barrel klettern, um gegen Ende des Jahres wieder etwas nachzugeben. Den Markt irritierte zudem die Warnung des für Ölfragen zuständigen libyschen Staatsvertreters, Shokri Ghanem, dass Libyen erwäge, angesichts der amerikanischen Drohungen seine Ölproduktion zu drosseln. Das amerikanische Repräsentantenhaus hatte Ende der Woche einen Gesetzentwurf gebilligt, der das amerikanische Justizministerium ermächtigen würde, Opec-Mitglieder wegen restriktiver Ölförderung zu verklagen. Die Bemerkung von Khelil wurde an den Märkten zwar als leere Drohung angesehen, zeigt aber, wie angespannt die Gemütslage in Energiefragen derzeit ist. Das Weiße Haus hat signalisiert, im Zweifel ein Veto gegen das Gesetz einzulegen.
Entscheidend für den jüngsten Preisschub am Ölmarkt dürften jedoch der wieder auf 1,57 Dollar je Euro gefallene Wechselkurs der amerikanischen Währung, Inflationsängste und die Furcht vor weiteren Turbulenzen im Bankensektor gewesen sein. Der Markt ignoriert derzeit, dass die Terminstrukturkurve des Ölpreises von "Backwardation" wieder in "Contango" gedreht hat. Dies bedeutet, dass der Terminpreis für Öllieferungen in der nahen Zukunft höher liegt als jener für spätere Lieferungen. Das ist deshalb wichtig, weil über Monate die Sorge vor einem Nachfrageüberhang am Ölmarkt den langfristigen Terminpreis über den kurzfristigen Ölpreis gehoben hatte, was als "Backwardation" bezeichnet wird. In dieser Konstellation zieht der langfristige Terminpreis den kürzerfristigen Preis in die Höhe.
"So wie Backwardation ein Ausdruck für die Knappheit ist, deutet Contango auf ausreichendes Angebot und hohe Lagerbestände hin", betont die Commerzbank. Die angekündigte Produktionserhöhung Saudi-Arabiens und die derzeit sinkende Energienachfrage in den Vereinigten Staaten dürften für weitere Entspannung sorgen.
"Wir glauben, dass der Ölmarkt derzeit irritiert ist und nicht akzeptieren will, dass die Gründe, die den Ölpreis über das letzte Jahr hinweg haben steigen lassen, nun drehen und eigentlich nicht mehr für noch höhere Preise sprechen: nämlich niedrige Opec-Produktion, enttäuschende Produktion der Nicht-Opec-Staaten, kräftiges globales Wirtschaftswachstum und ein immer weiter abwertender Dollar", heißt es bei der Deutschen Bank. Auf einer Analystenkonferenz von Credit Suisse waren nahezu alle Analysten der Meinung, dass der Ölpreis noch in diesem Jahr auf etwa 108 Dollar je Barrel fallen werde. Nur wenige Investoren scheinen jedoch den Mut aufzubringen, auf einen sinkenden Ölpreis zu setzen aus Furcht, der Ölpreis könnte in einer Übertreibung weiter nach oben ausreißen.
Dennoch betonen immer mehr Analysten, dass bei der Bewertung von Ölaktien und anderen, vom Energiepreis abhängigen Werten der Markt immer noch mit einem langfristigen Ölpreis von 70 bis 90 Dollar kalkuliere. "Die Gewinnprognosen basieren auf einem Ölpreis, der weit unter dem fünfjährigen Terminpreis von 133 Dollar liegt", sagt Credit Suisse. Fondsmanager wie Robin Batchelor von Black Rock Merrill Lynch kaufen daher Ölaktien. "Deren Aktienkurs wird bei einer Korrektur des Ölpreises auf 110 Dollar zwar etwas sinken. Danach aber folgt eine Neubewertung dieser Aktien auf Basis eines langfristig von 80 auf 110 gestiegenen Ölpreises mit erheblichem Kurspotential", sagt Batchelor.
So passte die Deutsche Bank am Freitag zum Beispiel ihre Bewertung von BASF nach oben an, weil sie der Gewinnkalkulation nicht mehr einen Ölpreis von 80 Dollar, sondern von 100 bis 120 Dollar zugrunde legt.
Text: F.A.Z.
| Tops | in % | |
| Infineon | +3,91% | |
| Siemens | +2,79% | |
| BAYER AG NA | +2,79% |
| Flops | in % | |
| BMW | −0,41% | |
| FMC | −0,61% | |
| Volkswagen | −3,04% |
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