28. Oktober 2006 Wer ins Ausland geht, muß sich von Land und Leuten begeistern lassen, das ist die Überzeugung von Brigitte Hild, Geschäftsführerin von Going Global. Sie berät Mitarbeiter, die ins Ausland entsandt werden.
Frau Hild, wie finden Mitarbeiter heraus, ob sie einem Job im Ausland gewachsen sind?
Egal, ob jemand vom Unternehmen gebeten wird, ins Ausland zu gehen, oder ob er sich aus eigener Initiative bewirbt - in beiden Fällen sollte er über seine Motivation nachdenken. Die sollte nicht der Wunsch nach einem schnellen Gehalts- oder Karrieresprung sein.
Warum trägt das nicht?
Ein Auslandsaufenthalt ist zwar Pflicht für Mitarbeiter, die Karriere machen wollen, aber kein Garant dafür. Auch der Wunsch, viel Geld zu verdienen, ist ungünstig: Die Entsendungspakete der Unternehmen sind längst nicht mehr so üppig bestückt wie vor zehn Jahren. Nur noch an extrem unattraktiven Standorten wird die Arbeit durch ein hohes Gehalt versüßt.
Was sollte der Grund sein, den Schritt ins Ausland zu wagen?
Wenn man das Gefühl hat, sich persönlich weiterzuentwickeln. Studien zeigen, daß Expatriates selbstbewußter sind, weil sie eine schwierige Lebenssituation gemeistert haben. Sie sind oft toleranter und können besser mit Stress umgehen als Kollegen, die nie im Ausland waren. Der Auslandseinsatz wirkt sich in der Regel positiv auf den Managementstil aus. Zudem sehen viele Rückkehrer die Zeit im Ausland als persönliche Bereicherung, als Chance, aus gewohnten Gleisen auszubrechen. Mit dieser Motivation darf man in ein fremdes Land gehen.
Was muß dann geprüft werden?
Man muß gucken, ob der Auslandsaufenthalt in die Lebenssituation paßt. Das gilt nicht nur für den, der geschickt wird, sondern auch für die übrigen Familienmitglieder. Wenn der Expatriate mit wehenden Fahnen davoneilt und der Partner widerwillig hinterherzieht, gibt es auf jeden Fall Probleme. Besonders heikel wird es, wenn der Partner seine eigene Karriere unterbrechen muß.
Hilft die Firma in diesem Fall?
Viele Unternehmen bieten zielgerichtet Unterstützung an, finanzieren dem Partner einen Sprachkurs, Karriereberatung oder ein Fernstudium. Aber das ist schon der zweite Schritt. Davor muß geklärt werden, ob der Partner wirklich mitziehen will.
Wie finden Sie das heraus?
Beide sollten mit offenen Karten spielen. Es sollte nicht so sein, daß einer den Bedenkenträger spielt und einer alle Probleme kleinredet. Beide sollten genau überlegen, wie der Alltag aussehen wird, was es bedeutet, wenn nur noch einer arbeitet, und das viel mehr als vorher, wie sie nach den Jahren im Ausland den Wiedereinstieg in der Heimat schaffen wollen.
Wie bereite ich mich auf die neue Kultur vor?
Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern vor der Entscheidung eine Reise an, um den Ort zu besichtigen. Die sollte man auf jeden Fall wahrnehmen, auch zu zweit, selbst wenn man Kinder hat. Wichtig ist zu gucken, wie der Alltag vor Ort aussieht, mit Expatriates zu sprechen, die deutsche Schule zu besuchen, herauszufinden, was unbedingt in den Container gepackt werden muß, weil es dort nicht zu bekommen ist. Hinzu kommen meist interkulturelles Training und Sprachkurse.
Was tun, wenn man die nicht bekommt?
Dann sollte man auf eigene Faust im Internet recherchieren, Bücher über das Land lesen, ausländisch essen gehen und versuchen, die Kultur mit allen Sinnen aufzunehmen. Besonders wichtig ist es, mit Kollegen zu sprechen, die schon ins Ausland gegangen sind. An vielen Standorten gibt es auch Klubs von Expatriates, die Neuankömmlingen gern Starthilfe geben.
Die Fragen stellte Caterine Hoffmann
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.10.2006, Nr. 43 / Seite 53
Bildmaterial: privat
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