Von Heinrich Wefing
15. August 2005 Ein paar tausend Jahre lang lebten hier nur Indianer, Miwoks und Ohlone, unberührt von jedem Kontakt mit der Welt. Der Nebel, den heute noch alle Touristen fürchten, schützte sie vor den Augen der spanischen Schiffe, die im späten sechzehnten Jahrhundert an der Pazifikküste auf und ab kreuzten. Erst 1775 segelte der erste Europäer, Juan Manuel de Ayala, durch das Goldene Tor. Vor Angel Island ging er vor Anker. Nur einen Steinwurf entfernt, am Nordrand der Bay, in dem Örtchen Tiburon, liegt das Restaurant The Caprice. Gekocht wird dort, was in Amerika so als feine europäische Küche gilt. Das Essen ist gut, aber nicht überwältigend. Doch darauf kommt es nicht an.
Man kann sowieso kaum kauen, weil einem beständig der Mund offensteht. Dieses Licht! Das Gefunkel der Bucht! Die Golden Gate Bridge, die noch rot glüht, wenn die Sonne schon längst hinter den Marin Headlands versunken ist. Die letzten Segler kehren heim, die Bay wird zu einem dunklen Spiegel, an dessen Rand, gegenüber, die Lichter der großen Stadt angehen. Irgendwann, sehr viel später, gleitet vor Angel Island ein Ausflugsdampfer vorbei, und dann wird das Dessert serviert. Die Straße, an der The Caprice liegt, heißt übrigens Paradise Drive. Besser hätten wir das kaum sagen können.
Bildmaterial: Taschen Verlag
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