Kuba

Die echten Havannas

Von Christian Nowack

Eine gute Torcedera rollt am Tag etwa 100 Zigarren

Eine gute Torcedera rollt am Tag etwa 100 Zigarren

25. März 2002 Mittlerweile hat sich die Zigarrenfabrik in Pinar del Rio mit Souvenirshop, Bar und Verkaufsraum auf den Besuch von Touristen eingestellt. Früher war in dem Gebäude ein Krankenhaus, dann ein Gefängnis untergebracht. Seit den 60er Jahren produziert in dem Komplex aus dem 19. Jahrhundert die Zigarrenfabrik Francisco Donatier echte Havannas. Mittlerweile sind es die Arbeiterinnen und Arbeiter gewohnt, dass man ihnen auf die Finger schaut, während sie die begehrten Zigarren rollen.

Hier entstehen die berühmten Cohibas, die Quintessenz aus 500 Jahren Tabakveredelung, alle natürlich ausschließlich in Handarbeit. Mehrere Dutzend Torcederos sitzen wie in einem großen Klassenraum in Reihen hintereinander, jeder von ihnen rollt am Tag ungefähr 100 Zigarren.

Handgefertigte Vielfalt

Zum guten Arbeitsklima in der Fabrik gehört seit jeher der Vorleser: Am Morgen zitiert er aus der Tageszeitung die neuesten Reden Fidel Castros, am Nachmittag stehen Liebesromane ganz oben auf der Wunschliste.

Gute Torcederos sind gefragte Spezialisten. Denn um eine perfekte Havanna zu rollen, braucht es eine ganz besondere Fingerfertigkeit, die man erst nach mehreren Lehrjahren erlangt. Alle haben ein Holzmodell mit zehn Mulden in Zigarrenform vor sich, in das sie die Rohlinge pressen. Erst danach werden die Cohibas in das kostbare Deckblatt eingerollt und schließlich nach 68 verschiedenen Farbtönen von hellgrünbraun bis fast schwarz sortiert und in Kisten verpackt.

Auf dem Schwarzmarkt gibt's gekrümelten Müll

Wenige Kunstwerke gehen bei ihrer Herstellung durch so viele Hände wie eine echte Havanna. Ihre Entstehung ist selbst für einen Nichtraucher faszinierend. Nach dem Besuch der Manufaktur ist auch klar, dass eine gute Havanna selbst in einem Land mit niedrigen Löhnen wie Kuba ihren Preis hat. Jetzt begegnet man den Händlern auf der Straße, die Zigarren für einen Bruchteil des offiziellen Preises anbieten, mit noch mehr Misstrauen. Alle versichern mit entwaffnendem Augenaufschlag, dass ihre Ware auf verschlungenen Wegen aus den Fabriken in ihre Hände gelangt ist. Da Laien auf den ersten Blick kaum das Original von einer Fälschung unterscheiden können, floriert der Schwarzmarkt.

Auch Fidel Castro kann daran nichts ändern. Niemand weiß, wie viele Zigarren in Hinterzimmern und Küchen fermentiert und gerollt werden. Wer sieht einer Havanna schon an, dass sich unter dem Deckblatt nur gehäckselter Abfall befindet? Um Gewissheit zu haben, müsste man sie zerstören und der Länge nach aufschneiden.

Text: srt
Bildmaterial: Selbach / laif

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17.12.2009 | 15:30
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