Michael Jackson gestorben

„Trotz seiner Gaben eine tragische Figur“

Von Jordan Mejias, New York

Die Fans, die sich kurz nach der Todesnachricht vor dem Krankenhaus einfanden, reagierten fassungslos

Die Fans, die sich kurz nach der Todesnachricht vor dem Krankenhaus einfanden, reagierten fassungslos

26. Juni 2009 Kurz vor neunzehn Uhr kalifornischer Zeit zeigen Amerikas TV-Nachrichtensender einen Hubschrauber auf dem Weg zum amtlichen Leichenbeschauer. Es sind die sterblichen Überreste Michael Jacksons, die vom Ronald Reagan UCLA Medical Center, dem Hospital der University of California in Los Angeles, zum gerichtsmedizinischen Institut der Stadt gebracht werden.

Der Popstar war von der nur wenige Autominuten entfernten Villa, die er im Ortsteil Bel Air für angeblich hunderttausend Dollar pro Monat gemietet hatte, vom Notdienst der Feuerwehr von Los Angeles ins Krankenhaus eingeliefert und dort um 14.26 Uhr Ortszeit für tot erklärt worden. Als Todesursache wurde Herzversagen angegeben. Michael Jacksons Bruder Jermaine bat jedoch die Medien, die Ergebnisse der Autopsie abzuwarten.

Vor dem Krankenhaus und Jacksons Villa versammelten sich sogleich weinende Fans, manche in Kostümen, wie sie ihr Idol trug. Fernsehsender und Blogs lieferten pausenlos die neuesten Nachrichten, Gerüchte und Beileidsbezeugungen, dazu kamen jede Art von Rückblicken und Würdigungen. Der Kabelsender Black Entertainment Television begann einen Marathon von Videoclips auszustrahlen, über viele Radiostationen waren ununterbrochen die größten Hits des King of Pop zu hören. Starjournalistin Barbara Walters, die für die Fernsehgesellschaft CBS eine Sondersendung moderierte, wollte von ihrem Ko-Moderator Martin Bashir wissen, ob Jackson wohl wegen seiner Skandale oder eher wegen seines Talents in Erinnerung bleibe. Wegen seiner Musik, antwortete Bashir.

Madonna: „Ich kann nicht aufhören, über die traurige Nachricht zu weinen“

Amerikas Prominenz zeigte sich sogleich tief bestürzt. Madonna war unten den Ersten, die öffentlich um Michael Jackson trauerten: „Ich kann nicht aufhören, über die traurige Nachricht zu weinen“, wird sie auf der Website der Zeitschrift „People“ zitiert. „Ich habe immer Michael Jackson bewundert. Die Welt hat einen ihrer Großen verloren, aber seine Musik wird für immer weiterleben.“

Steven Spielberg sagte voraus: „So wie es nie mehr einen Fred Astaire oder Chuck Berry oder Elvis Presley geben wird, so wird es niemanden geben, der mit Michael Jackson zu vergleich wäre. Sein Talent, seine Erstaunlichkeit und seine Rätselhaftigkeit machen aus ihm eine Legende.“

Der große Filmregisseur Martin Scorsese, den Jackson für sein Video „Bad“ engagierte, erinnerte sich, wie beeindruckt er von Jacksons Meisterschaft des Tanzes und seiner Musik war: „Jeder seiner Schritte war absolut präzise und zugleich flüssig. Es war, als sähe man Quecksilber in Bewegung.“

Quincy Jones: „Talent, Grazie, Professionalismus und Hingabe“

Der Musikproduzent Quincy Jones ließ über den Nachrichtensender MSNBC verkünden: „Michael Jackson hatte alles - Talent, Grazie, Professionalismus und Hingabe. Ich habe heute meinen kleinen Bruder verloren, und ein Teil meiner Seele ist mit ihm gegangen.“

John Landis, der Regisseur von Jacksons bahnbrechendem Video „Thriller“, erklärte gegenüber der „Los Angeles Times“: „Er hatte ein mit Problemen belastetes und kompliziertes Leben und bleibt, trotz seiner Gaben, eine tragische Figur.“ Landis bezeichnete ihn aber auch als außerordentliches Talent und einen wahrhaft großen internationalen Star.“

Vincent Paterson, der Regisseur und Choreograph, der mit ihm an mehreren Videos zusammenarbeitete, erinnerte sich, dass Jackson mit seinem Moonwalk Tage und Wochen lang beschäftigt war, bis der Tanz organisch aussah: „Er nahm die Idee, die er von einigen Kids auf der Straße übernommen hatte, und perfektionierte sie.“

Celine Dion gestand Larry King, dem Moderator des Nachrichtensenders CNN: „Man fühlt sich so wie damals, als Kennedy starb, als Elvis Presley starb.“ Dionne Warwick sagte: „Wir haben eine Ikone unserer Industrie verloren.“ Und Beyoncé: „Der unvergleichliche Michael Jackson hatte einen größeren Einfluss auf die Musik als je ein anderer Musiker in der Geschichte der Musik. Er war reine Magie. Er war das, was wir alle sein wollen. Er will immer der King of Pop sein.“

Tommy Mottola, einer der mächtigsten Männer dieser amerikanischen Musikindustrie und ehemaliger Chef von Sony Music, nannte ihn „den Grundpfeiler des gesamten Musikgeschäfts.“ Jackson habe die Kluft zwischen Rhythm and Blues und Pop überbrückt und so eine globale Kulturform geschaffen: „Niemand hat je getan, was er zu seiner Zeit tat, und niemand wird je tun, was er danach tat.“

Gedenken im Golden Gate Park

In San Francisco versammelten sich Fans im Golden Gate Park, um Michael Jackson zu gedenken. In New York bildeten sich am frühen Abend Menschentrauben vor den Nachrichtentickern auf dem Times Square und später strömten, schnell zusammengetwittert, viele New Yorker vors legendäre Apollo Theater in Harlem, wo er mit den Jackson 5 oft auftreten war. In Gary, Indiana, zogen weinende, singende und betende Menschen vor das Holzhaus, in dem Michael Jackson die ersten Jahre seiner Kindheit verbrachte und zündeten Kerzen an.

Während das Fernsehen sich vor allem pietätvoll und zelebratorisch gab, fehlte es im Internet nicht an Gerüchten. Von vierhundert Millionen Dollar Schulden war da die Rede und auch von einer Überdosis Tabletten, die den Tod verursacht haben könnte.

Umfrage: Meine schönste Michael-Jackson-Geschichte

Mit ihr war er eng befreundet: Michael Jackson mit der Schauspielerin Liz Taylor, hier im Jahr 1998 in Los Angeles
Mit ihr war er eng befreundet: Michael Jackson mit der Schauspielerin Liz Taylor, hier im Jahr 1998 in Los Angeles

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Polizisten blockieren den Eingang zum Krankenhaus in Los Angeles, in dem Michael Jackson starbUnd schon läuft die Erinnerungsindustrie anUmstrittene Figur: Spätestens seit den Gerüchten über möglichen sexuellen Missbrauch von Kindern wurde Michael Jackson auf Schritt und Tritt von Journalisten verfolgt  Als Jackson der Öffentlichkeit im Jahr 2002 in Berlin sein Kind zeigte und es dabei fast fallen ließ, war die Empörung groß Umstrittene Ikone: Jackson 1995 bei den MTV Video Music Awards in New YorkMit seiner damaligen Ehefrau Lisa Marie Presley 1994 auf der BüheKurzes Glück: Mit Lisa Marie Presley war Jackson verheiratetIn frühen TagenDie Jackson 5: Michael Jackson mit Tito, Randy, Jackie und MarlonMahnwache mit Kerzen in Los AngelesAbschiedsbriefMichael Jackson 1979Vor dem Krankenhaus in Los AngelesDer “King of Pop“ So wurde er zu einer Legende: Jackson, hier auf seiner “Dangerous“-Tour 1993 in Tel AvivLegende schon zu Lebzeiten: Jackson mit seinem Konterfei aus Wachs im Grevin Wax Museum in ParisErst im März hatte Jackson in London sein Comeback angekündigtBei einem Konzert in Los Angeles 2002Nach einem 60-tägigen Prozess wurde Jackson im Mai 2005 vom Vorwurf der Kindesmisshandlung freigesprochen Exzentrisch bis zur Karikatur: Der scheue Jackson lebte in den vergangenen Jahren immer zurückgezogenerFarbenfroh: Der junge Jackson in rot-gelben SchlaghosenTrauer am Walk of FameVor dem Apollo Theater in Harlem: TrauerbekundungenVor der Neverland Ranch in KalifornienAls Clinton 1993 zum ersten Mal Präsident wird, singt Jackson1993 bei einem Konzert in Bangkok
FAZ.NET - Facharzt- und Kliniksuche

Neu in der Stadt?

Sie sind umgezogen und haben noch nicht den richtigen Hausarzt gefunden? Die Facharzt- und Kliniksuche hilft Ihnen den Arzt Ihres Vertrauens zu finden. Schauen Sie rein www.faz.net/arztsuche!

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009