Es gibt Unternehmen, für die ist eine nachhaltig gute Konjunktur nicht unbedingt auch eine gute Nachricht. Und zwar deshalb, weil gerade hierin eine Gefahr für ihr Geschäftsmodell liegt. Eberhard von Rundstedt hat ein solches Unternehmen gegründet und dieses nun angesichts der günstigen gesamtwirtschaftlichen Perspektiven vorsorglich auf ein zweites und ein drittes Bein gestellt. Denn bisher lebte Von Rundstedt HR Partners, wie das Unternehmen seit diesem Jahr heißt, vor allem in schlechten Zeiten gut. Outplacement-Beratung, so die neudeutsche Bezeichnung für die Dienstleistung, die von Rundstedt seit rund 20 Jahren anbietet, richtet sich an Führungskräfte, von denen sich ihr Unternehmen getrennt hat, und hilft diesen bei ihrer beruflichen Neuorientierung.
Nun setzt das Unternehmen stärker als bisher auch auf die Personalsuche sowie auf Dienstleistungen um das Thema Führungskräfteentwicklung wie beispielsweise Coaching und Beurteilung von Managern. Damit wird das Unternehmen ,wetterfest', zum Beispiel wenn bei guter Konjunktur das Outplacementgeschäft nachläßt und das Recruitment stärker wird und umgekehrt, erklärt von Rundstedt, Enkel des ranghöchsten Wehrmachtgenerals.
Von Rundstedt ist ein Pionier auf dem Gebiet des Outplacement und in dieser Beratungsnische die Nummer eins in Deutschland. Die Inspirationsquelle für die Idee, die bis dahin hierzulande weitgehend unbekannte Dienstleistung anzubieten, hätte näherliegend kaum gewesen sein können: Ich weiß wovon die Rede ist - aus eigenem Erleben, denn ich bin selbst gefeuert worden, sagt von Rundstedt. Er passe nicht in sein Konzept, hatte der junge Nachfolger seines bisherigen Vorgesetzten beim Düsseldorfer Papierkonzern Feldmühle ihm schlicht erklärt. Rückblickend sieht von Rundstedt diesen Vorfall nicht mehr so negativ wie damals.
Es helfe für seinen Beratungsansatz ungemein, diese schmerzliche Erfahrung einmal selbst gemacht zu haben, man kann sich in die Betroffenen gut hineinversetzen. Erfunden hat von Rundstedt das Outplacement nicht. Ein französischer Outplacement-Berater suchte vielmehr einen Geschäftsführer für Deutschland. Diesen hatten die Franzosen auch gefunden - von Rundstedt selbst war der Wunschkandidat -, dieser hatte ihnen jedoch keine Gelegenheit gegeben, die Frage an ihn zu adressieren. Von Rundstedt unterbricht nämlich seinen Redefluß, einmal in Fahrt gekommen, nur ungern, weshalb er auch am liebsten eigene Fragen beantwortet.
"Outplacement ist auch eine Investition ins eigene Betriebsklima. Warum? Weil die verbleibenden Mitarbeiter Trennungen sehr genau beobachten und quasi über den ,Flurfunk' die Erfahrungen ausgetauscht werden. Da kann ein professioneller Umgang mit der Trennung Ruhe ins Unternehmen bringen", sagt er. Aber auch Geld läßt sich mit Outplacement sparen.
"Ein Monat, den der Mitarbeiter das Unternehmen früher verläßt, bringt Einsparungen, die die Kosten des Outplacements decken", rechnet von Rundstedt vor. Daneben gibt es andere potentielle Vorteile des Outplacement. Denkbar wäre beispielsweise, den unzufriedenen ehemaligen Mitarbeiter per Outplacement-Beratung bei einem "neutralen" Unternehmen und nicht gerade beim Kunden oder Wettbewerber zu plazieren. "Solche Anfragen bekommen wir, die lehnen wir allesamt ab", betont von Rundstedt.
Der Prozeß des Outplacement beginnt mit einer genauen Analyse des Kandidaten, von Rundstedt nennt dies eine Lebensbestandsaufnahme. Und schließlich ist es keineswegs so, daß von Rundstedt auf einer großen Datei mit offenen Stellen sitzt. Zunächst einmal muß sich der Kandidat im eigenen Netzwerk umsehen, ob sich dort neue berufliche Perspektiven ergeben. Wir helfen den Kandidaten auch dabei, ihr eigenes Netz aufzubauen. Zwischen sechs und acht Monaten dauert es in der Regel, bis ein geschaßter Manager wieder in Lohn und Brot steht.
Outplacement ist aber kein Allheilmittel, das jedem garantiert wieder zu einem neuen Job verhilft. In vielen Unternehmen gibt es auch solche Mitarbeiter, die nach ihrer Entlassung beim besten Willen nicht zu vermitteln sind - von Rundstedt bezeichnet diese als Ritter von der traurigen Gestalt. Mit zwischen vier und fünf Prozent ist der Anteil dieser Kandidaten jedoch überschaubar. Mittelfristig kann sich von Rundstedt vorstellen, in das Zeitarbeitsgeschäft einzusteigen. Dieser Markt wird auch aufgrund des strikten deutschen Kündigungsschutzes weiter stark wachsen, sagt von Rundstedt voraus.
Text: F.A.Z., 11.09.2006, Nr. 211 / Seite 14
Bildmaterial: Rundstedt HR Partners
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