Chronik

Aufstieg und Fall des Slobodan Milosevic

Slobodan Milosevic, 1991

Slobodan Milosevic, 1991

11. März 2006 Der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist tot. Geboren wurde er am 20. August 1941 als Sohn eines Religionslehrers geboren. Im Folgenden eine Chronik wichtiger Stationen seiner politischen Karriere seit seinem Aufstieg zur Macht in Jugoslawien Ende der achtziger Jahre.

1986
15. Mai - Milosevic wird in Jugoslawien Chef der regionalen Serbischen Kommunistischen Partei

1987
Oktober
- Milosevic verstärkt seinen politischen Einfluß, indem er innerhalb der Kommunistischen Partei und auch in den Medien Gegner und Kritiker kalt stellt.

1988
Januar - Milosevic und seine Anhänger drängen den serbischen Präsidenten Ivan Stambolic aus dem Amt.

1990
9. Dezember
- Milosevic wird bei der ersten Mehr-Parteien-Wahl Serbiens seit dem Zweiten Weltkrieg zum Präsidenten gewählt. Im Wahlkampf hat er sich mit nationalistischen Parolen hervorgetan.

1991
25. Juni - Kroatien und Slowenien erklären sich unabhängig.
Juni - In Kroatien flammen Kämpfe zwischen Kroaten und kroatischen Serben auf. In Slowenien können auch jugoslawische Panzer die Unabhängigkeit nicht verhindern

1992
29. Februar/1. März - In Bosnien stimmen Moslems und Kroaten in einem Referendum für Unabhängigkeit. Serben boykottieren die Abstimmung.
6. April - Die Europäische Union erkennt Bosniens Unabhängigkeit an. Zwischen der bosnischen Regierung und bosnischen Serben bricht ein Krieg aus. Bis 1995 belagern bosnische Serben die Hauptstadt Sarajevo.
Mai - Die Vereinten Nationen verhängen Sanktionen gegen Serbien wegen der Unterstützung serbischer Rebellen in Kroatien und Bosnien

1995
21. November
- Nach Nato-Luftangriffen gegen Stellungen der bosnischen Serben stimmt Milosevic gemeinsam mit den Präsidenten Kroatiens und Bosniens in Dayton im amerikanischen Bundesstaat Ohio einer Friedensvereinbarung zu.

1996
November - Serbische Oppositionsanhänger gehen in Belgrad auf die Straße und beschuldigen die Regierung des Wahlbetrugs. Sie fordern Milosevics Rücktritt. Nach 88 Tagen andauernder Proteste gibt Milosevic nach und räumt der Opposition bei den Kommunalwahlen Zugewinne ein.

1997
15. Juli - Milosevic wird vom Parlament zum jugoslawischen Staatschef gewählt. Als serbischer Präsident tritt er zurück.

1998
März
- Milosevic lehnt Forderungen nach einem Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung des Kosovo-Konflikts ab. Er lädt den Anführer der albanisch-stämmigen Bevölkerung, Ibrahim Rugova, zu Friedensgesprächen ein.

1999
18./19. März - Kosovo-Albaner unterzeichnen in Frankreich ein Friedensabkommen, das Jugoslawien ablehnt. Die Friedensgespräche scheitern.
24. März - Nato-Kampfflugzeuge starten Luftangriffe gegen Ziele in ganz Jugoslawien
27. Mai - Das UN-Tribunal in Den Haag bestätigt, Milosevic sei als Kriegsverbrecher angeklagt
10. Juni - Die Nato setzt ihre Angriff aus, nachdem serbische Truppen mit dem Rückzug aus dem Kosovo beginnen

2000
14. April
- Mindestens 100.000 Serben versammeln sich im Zentrum Belgrads: Die Opposition fordert vorgezogene Wahlen.
27. Juli - Milosevic legt den 24. September als Termin für Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahlen fest.
26. September - Die Wahlkommission nennt Oppositionskandidat Vojislav Kostunica als Sieger, ruft aber eine Stichwahl aus, da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht habe. Das Kostunica-Lager spricht von Wahlbetrug und lehnt das Ergebnis ab.
29. September - Die Opposition ruft zu Streiks und zivilem Ungehorsam auf, um Milosevic zum Rücktritt zu bewegen.
6. Oktober - Milosevic gesteht seine Niederlage bei der Präsidentenwahl ein und beugt sich damit den Massenprotesten.
7. Oktober - Kostunica wird als neuer jugoslawischer Präsident vereidigt.
25. November - Milosevic wird als einziger Kandidat wieder zum Chef der Sozialistischen Partei gewählt.

2001
25. Januar
- Das serbische Parlament spricht der Reformregierung unter Führung des Chefs der Demokratischen Partei, Zoran Djindjic, mit großer Mehrheit seine Unterstützung aus.
1. April - Milosevic wird festgenommen. Er weist Vorwürfe zurück, Staatsgelder veruntreut zu haben.
23. Juni - Unter dem Druck des Westens im Vorfeld einer Geberkonferenz macht die jugoslawische Regierung mit einer Verordnung den Weg frei für eine Überstellung mutmaßlicher Kriegsverbrecher an das UN-Tribunal
28. Juni - Milosevic wird an das Tribunal überstellt.

2002
12. Februar
- Der Prozeß gegen Milosevic beginnt. Er ist in 66 Punkten wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Bosnien, Kroatien und Kosovo angeklagt.

2003
Dezember - Der frühere Nato-Kommandeur Wesley Clark sagt vor Gericht aus, daß Milosevic von den Plänen bosnischer Serben zum Massaker von Srebrenica 1995 gewußt habe.

2004
31. August
- Milosevic beginnt seine Verteidigung. Dabei nennt er den Prozeß eine Verzerrung der Geschichte. Zudem wirft er dem Westen vor, für den Zusammenbruch Jugoslawiens verantwortlich zu sein.
1. November - Milosevic wird wieder gestattet, sich selbst zu verteidigen. Zuvor waren dem Angeklagten Pflichtverteidiger zur Seite gestellt worden, um weitere Verzögerungen wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustandes zu verhindern. Milosevic soll unter Herzproblemen leiden.

2006
24. Februar - Das Tribunal weist Milosevics Antrag auf eine Reise nach Rußland zurück. Er wollte sich dort von Spezial-Ärzten medizinisch behandeln lassen. Milosevic kündigt an, diese Entscheidung anzufechten, da sich sein Gesundheitszustand verschlechtere.
11. März - Milosevic wird tot in seiner Zelle im Gefängnis des Den Haager UN-Kriegsverbrechertribunals in Scheveningen aufgefunden.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: REUTERS

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