Christoph Eibl im Gespräch

"Spekulative Haussen leben manchmal lang"

Christoph Eibl

Christoph Eibl

17. April 2008 Anleger sollten Rohstoffmärkte mit Vernunft und Realismus betrachten. So sieht es jedenfalls der Fondsmanager Christoph Eibl, Vorstandsvorsitzender der Tiberius Asset Management AG.

Herr Eibl, wird sich die Hausse an den Rohstoffmärkten fortsetzen?
Die Erfahrungen aus der Geschichte lehren uns, dass Rohstoffmärkte nach einer Hausse durchaus mehrere Jahre lang konsolidieren können.

Haben wir diesen Punkt jetzt erreicht?
Ich rate dazu, die Märkte mit Vernunft und Realismus zu betrachten und nicht die vergangenen Preissteigerungen einfach weiter fortschreiben zu wollen. Wann eine solche Konsolidierung beginnen könnte, lässt sich nicht vorhersagen. Spekulative Haussen haben manchmal ein sehr langes Leben.

Was bedeutet das für einen Anleger?
Im Nachhinein betrachtet, konnte man im Jahr 2000 jeden Rohstoff kaufen. Heute müssen Anleger differenzierter vorgehen. Manche Rohstoffe besitzen aus meiner Sicht langfristig durchaus noch Aufwärtspotential; andere sind eindeutig überteuert.

Woran denken Sie konkret?
Schaut man sich das Verhältnis der Lagerbestände zum jährlichen Verbrauch von Agrarrohstoffen an, kommt man zu dem Schluss, dass Weizen heute eindeutig zu teuer ist. Mais ist dagegen noch zu billig. Das hängt auch damit zusammen, dass Mais für die Energiegewinnung eine Rolle spielt.

Auf den Rohstoffmärkten hat die Bedeutung der Finanzinvestoren offenbar zugenommen.
Das ist richtig. Anlagen in Rohstoffen sind zum Teil auch als Verlegenheitslösungen anzusehen. Gegenwärtig wollen viele Investoren keine Aktien kaufen, und Kreditmärkte sind auch nicht besonders lukrativ. Rohstoffe sind als Anlageprodukt zudem einfach zu verkaufen, weil viele Anleger die grundlegende Geschichte verstehen und akzeptieren: Auf vielen Rohstoffmärkten steigt die Nachfrage, während sich das Angebot meist nicht schnell vergrößern lässt. Aber man muss auch sehen, dass sich die Konjunktur abschwächt und wir eine Finanzkrise haben.

Inwiefern haben sich die Märkte verändert?
Im Jahre 2005 gab es gute fundamentale Gründe für einen Preisanstieg an den Rohstoffmärkten. Die Nachfrage überstieg das Angebot, und die Lagerbestände waren niedrig. Finanzinvestoren haben damals die Preise noch nicht so stark beeinflusst wie heute.

Wie groß ist heute das Gewicht der Finanzinvestoren?
Alleine in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind 40 Milliarden Dollar in die Rohstoffmärkte geflossen. Das ist ein sehr bedeutender Zufluss, und damit beeinflussen die Finanzinvestoren die Preisbildung sehr viel stärker als früher. Das macht unsere Aufgabe übrigens nicht leichter.

Wieso?
Wir kommen von der fundamentalen Seite und wollen darauf gestützt Anlageentscheidungen treffen. Wir wollen verstehen, wie sich Angebot und Nachfrage auf den einzelnen Märkten darstellen und wie sich die Lagerbestände im Verhältnis zum Verbrauch entwickeln. Diese fundamentalen Überlegungen sind im Moment für die Preisbildung aber nicht so wichtig wie noch vor wenigen Jahren.

Das Gespräch führten Gerald Braunberger und Judith Lembke.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Privat

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