Atlas Maior

Augsburg

Von Andreas Lesti

15. August 2005 „Morgen Augsburg“ hat Thomas Bernhard in dem Stück „Die Macht der Gewohnheit“ geschrieben und damit das Elend der Provinz gemeint; er hätte besser „Morgen München“ geschrieben, denn wer in Augsburg aufgewachsen ist, der weiß, wie provinziell München ist: Als an der Isar nur ein paar Bären traurig im Regen herumstanden, trieb man in Augsburg bereits fleißig Handel mit der ganzen Welt, und 1665 blickte die (nach Trier) zweitälteste Stadt Deutschlands schon auf eine bewegtere Vergangenheit zurück als München heute: Gründung durch die Römer (15 v. Chr.), Schlacht auf dem Lechfeld (955), bedeutende Reichstage, Religionsfriede (1555) und die Verbriefung der ältesten Sozialsiedlung der Welt, der berühmten Fuggerei (1521).

Noch heute kostet dort die jährliche Miete für „bedürftige katholische Augsburger“ 88 Cent und täglich drei Gebete. Für Besucher ist die Fuggerei einer der reizvollsten Plätze Augsburgs. In dem kleinen Biergarten vor ihrem Eingang plätschert im Sommer das Brunnenwasser und das Weißbier. Und besonders an heißen Tagen ist die Fuggerei einer der schönsten Orte der heute bekannten Welt.

Bildmaterial: Taschen Verlag

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

Herausgegeben von Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Frank Schirrmacher, Holger Steltzner

nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009 Medienpartner: NZZ Online