Im Porträt: Manfred Wennemer

Liebling der Analysten

Von Henning Peitsmeier

Manfred Wennemer

Manfred Wennemer

14. Juli 2008 Für viele Manager in der Autoindustrie kann es kein größeres Lob geben als wenn man ihnen nachsagt, sie hätten „Benzin im Blut“. Zu ihnen gehört Manfred Wennemer nicht. Der Vorstandsvorsitzende von Continental ist ein Zahlenmensch. Jahr für Jahr liefert er bei dem 1871 gegründeten Autozulieferer aus Hannover Rekordzahlen ab und das in einer Regelmäßigkeit, wie kaum ein anderer Dax-Vorstand. Deshalb gehört Wennemer zu den Lieblingen der Analysten.

Umso überraschender ist es, dass die Börse Wennemers Leistungen zuletzt gänzlich ignoriert hat und den gesamten Konzern lediglich mit knapp 10 Milliarden Euro bewertete. Dabei hat Wennemer im vorigen Sommer allein 11 Milliarden Euro für die Autoelektronik von Siemens ausgegeben. Die Integration zieht der Diplom-Mathematiker durch, wie es seinem Naturell entspricht: unauffällig, aber knallhart. Der gesamte Konzern wird von Wennemer auf Rendite getrimmt. Standortgarantien gibt es keine, Rücksichten auf Gewerkschaftsinteressen sowieso nicht.

Für die IG Metall scheint er das kleinere Übel

Für so manchen IG Metaller ist Wennemers Name seit der Schließung des Reifenwerks Hannover-Stöcken ein Schimpfwort: Obwohl die Beschäftigten Zugeständnisse gemacht hatten und Wennemer ihnen sein Wort gab, kündigte er die Übereinkunft bald wieder auf. Er fühle sich verantwortlich für alle 150.000 Conti-Mitarbeiter, egal, ob in Hannover oder Rumänien, hielt Wennemer dagegen. Heute erscheint er der IG Metall verglichen mit Schaeffler als das kleinere Übel.

Wennemer ist ein Westfale aus dem Münsterland, sein Vater war Dorfpolizist in Ottmarsbocholt. Westfalen wird eine gewisse Sturheit nachgesagt. Bei dem heute Sechzigjährigen ist dieser Wesenszug in der Geradlinigkeit erkennbar, mit der er Continental führt. Noch in den neunziger Jahren war Conti eine „Gummibude“, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg den Reifenhersteller damals gern bezeichnete. Grünberg stellte die Weichen in Richtung Autozulieferung, Wennemer setzte diesen Weg 2001 konsequent fort. Wennemers Profitstreben zeigt sich in Details: Penibel wird in der Verwaltung zum Beispiel darauf geachtet, dass auch der Vorstand auf innereuropäischen Flügen in der Holzklasse fliegt. Mitunter nimmt Wennemers Sparsamkeit auch skurrile Züge an: So soll er auf einer Roadshow in Manhattan eine Taxifahrt abgelehnt haben, schließlich sei die U-Bahn viel günstiger.

Wenn Conti nun für das Familienunternehmen Schaeffler ein attraktiver Übernahmekandidat ist, dann hat Wennemer dafür die Vorarbeit geleistet. Mit Familienunternehmen kennt sich Wennemer aus. 14 Jahre arbeitete er für den Weinheimer Familienkonzern Freudenberg. Als er 1994 zu Benecke-Kaliko wechselte, ahnte er nicht, dass dieser bald Teil von Continental werden würde. Sollte sich diese Geschichte nun mit Schaeffler wiederholen, ist es jedoch fraglich, ob Wennemer weitermacht. Sein Vertrag läuft bis 2011.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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