Aktienkurs von Bear Stearns stark unter Druck

Vorstandschef Schwartz dementiert Gerüchte über hohe Verluste und Liquiditätsengpass

13. März 2008 nks. NEW YORK, 13. März. Der Vorstandsvorsitzende der fünftgrößten amerikanischen Investmentbank Bear Stearns, Alan Schwartz, hat die Gerüchte über einen Liquiditätsengpass öffentlich zurückgewiesen. "Es gibt keinen Druck auf unsere Liquidität, ganz zu schweigen von einer Liquiditätskrise", sagte Schwartz in einem Interview mit dem Wirtschaftssender CNBC. Bear Stearns habe am Ende des vergangenen Geschäftsjahres über 17 Milliarden Dollar Barmittel verfügt, die Schwartz als "Liquiditätspolster" bezeichnete.

Spekulationen, das Wertpapierhaus habe Schwierigkeiten, seinen aktuellen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, hatten den Aktienkurs von Bear Stearns in den vergangenen fünf Tagen um fast 20 Prozent ins Minus gedrückt. Am Donnerstag eröffnete die Aktie mit weiteren Verlusten von rund 12 Prozent. Ein Analyst des Konkurrenten Lehman Brothers hatte für die Branche der Investmentbanken wachsende Verluste aufgrund von Abschreibungen auf Wertpapierbestände prognostiziert. Bear Stearns, die gemeinsam mit einigen Konkurrenten in der kommenden Woche die Ergebnisse für das erste Quartal bekanntgeben wird, ist stark im Markt für hypothekenbesicherte Anleihen engagiert. Im Zuge der Hypothekenkrise waren die Preise dieser Wertpapiere stark gefallen. Deswegen fürchten manche Investoren hohe Verluste. "Nichts an diesen Spekulationen ist wahr", sagte Schwartz.

Trotz der Beteuerungen reagieren Händler von Hedge-Fonds und anderen Banken aber vorsichtiger als sonst bei Transaktionen mit Bear Stearns. In manchen Fällen haben Händler zuvor die normalerweise nicht nötige Erlaubnis ihrer Vorgesetzten eingeholt, um Geschäfte mit Bear Stearns zu machen. Einige Kunden von Konkurrenten wie Goldman Sachs, Morgan Stanley oder auch der Deutschen Bank haben darum gebeten, dass diese großen Firmen bei Transaktionen mit Bear Stearns die Gegenpartei bilden. Das befreit die Kunden vom Risiko, falls Bear Stearns seinen Verpflichtungen bei einem Handelsgeschäft nicht nachkommen würde. Einige Hedge-Fonds haben Teile ihrer Geschäfte mit Bear Stearns abgezogen. Das war schon einmal im Sommer passiert, als Bear Stearns mit der Schieflage von zwei Hedge-Fonds Schlagzeilen machte und erstmals Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten aufkamen.

Text: F.A.Z., 14.03.2008, Nr. 63 / Seite 31

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