28. Oktober 2006 Dem Bieter mit der Nummer 3501 gibt nur Emily ein Gesicht. Emily ist eine rothaarige Schönheit mit hochgesteckten Haaren, die nur Augen für Charlie Ross hat. In der linken Hand hält sie einen grauen Telefonhörer und sagt in konzentriertem Ton: 300.000 Dollar, das Angebot ist im Saal. Dann nickt sie und sagt: 310.000 Dollar, das Gebot ist bei Ihnen.
Ross, ein Brite mit Halbglatze und blauen Nadelstreifen, schaut von Emily zu einem Mann in der ersten Reihe: Höre ich 3-20? Der Bieter, ein Mann in blauem Geschäftsanzug und roter Krawatte, zögert etwas. Dann nickt er fast unmerklich, eigentlich macht er nur die Augen zu. Emily steht auf und nickt Ross mit starken Kopfbewegungen zu. Der Auktionator blickt wieder zum Mann in der ersten Reihe, aber der schüttelt nun den Kopf und sinkt leicht in sich zusammen. Ross schaut noch mal suchend in den Saal und gibt dann Emily den Zuschlag für 330.000 Dollar. Sie hält ein Blatt Papier mit der Nummer 3501 hoch, ein Assistent notiert die Nummer.
Um Emilys Bieter ranken sich Gerüchte
Das Objekt der Begierde war weder ein Schmuckstück noch ein Kunstwerk - Dinge, wie sie üblicherweise auf Auktionen versteigert werden. Bieter 3501 sicherte sich ein Patent für die Distribution von medizinischen Dienstleistungen, wie es im Katalog hieß. Auch fast alle anderen Auktionsobjekte waren Patente, geordnet nach Konsumelektronik, Telekommunikation oder Medizin. Es war erst die zweite Auktion dieser Art, die am Donnerstag im Capitale, dem wuchtigen Säulenbau der ehemaligen Bowery Savings Bank mitten in New Yorks wuseligem Chinesenviertel, abgehalten wurde.
Sichtbar gemacht werden die Patente mit Zeichnungen, die links neben Ross auf einer Projektionswand erscheinen. Die Käufer bleiben anonym, selbst im gut gefüllten Saal. Um Emilys Bieter 3501, der oft den Zuschlag erhält, ranken sich Gerüchte. Es heißt, die Technologiegiganten Microsoft und Google stünden dahinter.
15 Millionen Dollar für Jimi Hendrix' Musik
Insgesamt kommen in drei Stunden Patente für rund 5 Millionen Dollar unter den Hammer. Über die Hälfte finden keine Interessenten. Aber die Versteigerung war für einige Teilnehmer ohnehin nicht das wichtigste. Der weißhaarige P. C. J. Gallagher, den seine indexkartengroße Visitenkarte als Erfinder ausweist, fand den Weg nach Chinatown, weil er Käufer für sein Patent US 2002/00-46110 sucht. Ich habe Kontakte geknüpft, sagt er zufrieden.
Die höchste Summe wird am Schluß für Rechte an der Musik von Jimi Hendrix geboten: 15 Millionen Dollar. Emily hat da ihr Telefon schon aufgelegt. Bieter 3501 hatte nur Interesse an Patenten.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.10.2006, Nr. 43 / Seite 56
Bildmaterial: AP
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| Tops | in % | |
| Daimler | +1,36% | |
| Dt. Post | +1,33% | |
| MAN | +1,19% |
| Flops | in % | |
| Salzgitter | −0,60% | |
| K+S | −1,02% | |
| Volkswagen | −2,18% |
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