27. März 2005 Lämmer sind im Frühjahr besonders süß. Aber leider sind die jungen Schafe auch sehr anfällig für die verschiedensten Krankheiten. Besonders bekannt und bei Züchtern gefürchtet ist die Traberkrankheit.
Die Traberkrankheit
Auch Scrapie genannt (von engl.: to scrape, kratzen), ist eine übertragbare Hirnerkrankung (transmissible spongiform Enzephalopathy, TSE). Sie entspricht BSE bei Rindern und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen. Im Hirngewebe von Scrapieschafen findet man Ablagerungen von körpereigenem Eiweiß, dem Prionprotein (PrP). Die Eiweiße sind im Falle von TSE allerdings verändert und vermutlich identisch mit den Erregern der Krankheit, den Prionen.
Wie genau Prionen entstehen und wie sie sich im Körper vermehren, ist nicht bekannt. Schafe können spontan erkranken oder sich bei anderen Tieren infizieren - zum Beispiel bei der Geburt. Die Krankheit bricht aber erst drei bis fünf Jahre nach der Infektion aus.
Besonders anfällig
Bei der Anfälligkeit für Scrapie spielt vermutlich das PrP-Gen eine zentrale Rolle. Es besteht aus rund 20.000 DNA-Bausteinen. Jeweils drei dieser Bausteine liefern den Code für eine bestimmte Aminosäure im Prionenprotein. Ändert sich dieser genetische Code in nur einem Baustein, wird an der entsprechenden Stelle des Proteins meist auch eine andere Aminosäure eingebaut, was dazu führt, daß es sich leichter in die krankhafte Form umwandeln kann.
Drei Aminosäuren sind beim Prionprotein der Schafe besonders wichtig: Alanin, Glutamin und Asparagin. Diese ursprüngliche Kombination wird mit den Buchstaben ARQ abgekürzt. Neuere Schafrassen haben oft andere Aminosäurekombinationen, zum Beispiel ARR oder VRQ. Da jedes Prionprotein-Gen doppelt vorliegt, sind bei der Vererbung verschiedene Kombinationen möglich, je nachdem, welches Gen das Tier von der Mutter und vom Vater bekommt.
Fünf Risikogruppen
Fünf Risikogruppen hat man aus den bisher bekannten Varianten ermittelt. Gruppe eins umfaßt Tiere mit einem niedrigen Erkrankungsrisiko, in Gruppe fünf findet man Tiere mit hohem Risiko. Eine EU-Verordnung aus dem Jahre 2003 bestimmt, welche Schafe noch gezüchtet werden dürfen.
Zunächst ging man davon aus, daß Schafe mit der Variante ARR/ARR immun gegen Scrapie seien, anders als zum Beispiel Schafe mit der Variante ARH/VRQ. Aufgrund dieser Vermutung wurden nur noch Böcke mit der Kombination ARR/ARR zur Züchtung zugelassen. Mittlerweile sind aber auch einige der vermeintlich resistenten Schafe an Scrapie erkrankt. msta
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.03.2005, Nr. 12 / Seite 63
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb
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