Von Thomas Schmitt
Zehn Milliarden Dollar setzte George Soros in einer Wette gegen die Bank of England auf eine Abwertung des englischen Pfunds - und gewann. Diese Devisenspekulation ist ein Paradebeispiel für Soros' riskantes Konzept.
Der Mensch
Als Sohn eines jüdischen Anwalts wurde George Soros 1930 in Budapest geboren. Als 17jähriger ging er nach England, wo er an der London School of Economics 1955 sein Examen machte. Dort wurde er in seinem Denken sehr stark von dem deutschen Philosophen Karl Popper und dessen Vorstellungen über eine offene Gesellschaft beeinflußt.
Mit 5.000 Dollar in der Tasche brach er nach Amerika auf, um in der Finanzwelt Karriere zu machen. Seit 1968 ist er Vermögensverwalter. Mit seinem Partner Jim Rogers kaufte er 1969 für vier Millionen Dollar einen Vermögensfonds, den legendären Quantum-Fonds.
Anleger gewöhnten sich schnell an Renditen von mehr als 30 Prozent pro Jahr. Soros verwaltete bald viele Milliarden und ging immer größere Risiken ein. Allein an einer Wette gegen das britische Pfund verdiente er 1992 mehr als eine Milliarde Dollar. Solcherlei gewagte Spekulationen machten ihn genauso berühmt wie berüchtigt.
Anleger verehrten ihn, Politiker verabscheuten ihn. Anfang dieses Jahrtausends zog er sich nach und nach zurück. Seine Gesellschaft verwaltet das Vermögen nun mehr, als es aggressiv zu mehren. Er schreibt Bücher, engagiert sich politisch und verteilt über zahlreichen Stiftungen viel Geld - vor allem in Osteuropa. Reich genug ist der heute 76jährige, sein Privatvermögen wird auf mehr als fünf Milliarden Dollar geschätzt.
Das Konzept
Soros nutzte Schwächen in einzelnen Volkswirtschaften aus. Oft standen dabei die Devisenkurse im Mittelpunkt seiner Spekulationen, weil dieser Markt sehr liquide ist und weil er sehr oft von Regierungen und Notenbanken gegen die Marktkräfte und den wirtschaftlichen Trend beeinflußt wurde.
Soros nutzte dagegen die Kraft freier Kapitalmärkte und setzte darauf, daß sich die wirtschaftliche Logik am Ende durchsetzt: Paradebeispiel ist seine Wette gegen das britische Pfund, als er - gegen die mächtige Bank of England - mit zehn Milliarden Dollar auf eine Abwertung setzte und gewann.
Die Lehre
Soros hat Hedge-Fonds hoffähig gemacht. Diese Fonds mit dem nichtssagenden Namen stehen heute für hohe Renditen, auch wenn kaum jemand genau weiß, wie sie das machen. Soros selbst ist zwar aus dem Geschäft, sein Erfolgsmodell dagegen nicht.
Auf große Trends bei Zinsen und Währungen, Global Macro genannt, setzen viele. Derart riskant wie Soros agieren allerdings wenige. Private Anleger sollten in einen guten Dachfonds investieren. Denn die Einzelauswahl ist schwierig, weil die besten Fonds im Ausland sitzen und nur wenigen Auserwählten gute Informationen liefern.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AFP, F.A.Z., Reuters
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