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Jütte wird überraschend Postbank-Chef

Stefan Jütte

Stefan Jütte

Wolfgang Klein, bisher Vorstandsvorsitzender der Postbank, verlässt das Institut. „Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Geschäftspolitik“ werde er sein Mandat zum 30. Juni niederlegen, teilte die Bank nach einer Sitzung des Aufsichtsrates auf Freitag mit. Sein Nachfolger wird Stefan Jütte, der im Vorstand bisher das Kreditressort verantwortet. Seine Bestellung läuft bis zum 30. Juni 2012.

Über Kleins Motive schwieg sich sein Sprecher aus. Aber es ist offensichtlich, dass der Postbank-Chef bei der Deutschen Bank, die das Institut übernehmen wird, für sich keine Zukunft sieht. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, Kleins Schritt komme „völlig überraschend“. Klein ist seit neun Jahren bei der Postbank. 2007 war der heute 45 Jahre alte Manager als Nachfolger von Wulf von Schimmelmann an die Vorstandsspitze aufgerückt. Seine Sporen hatte er sich vor allem mit vielen erfolgreichen Anstößen für die Weiterentwicklung des Privatkundengeschäfts verdient. Wie der Aufsichtsrat mitteilte, streben beide Seiten eine „einvernehmliche Aufhebung des Vorstandsvertrages unterhalb der Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex an“. Damit dürfte Klein auf einen Teil der ihm zustehenden Restbezüge oder Abfindungen verzichten.

Wahrscheinlich werde er auch sein Gehalt nicht in Anspruch nehmen, sagte sein Sprecher. Nach heftiger Kritik an hohen Sonderzahlungen für das Jahr 2008, in dem die Postbank einen Verlust von 821 Millionen Euro gemacht hatte, hatte Klein angeboten, in diesem Jahr für einen symbolischen Euro zu arbeiten. Eine Entscheidung des Aufsichtsrates darüber gibt es bis heute nicht. „Das ist jetzt nicht mehr Sache der Bank, sondern die Privatsache von Herrn Klein. Aber er wird zu seinem Wort stehen“, sagte sein Sprecher. Klein kann es sich leisten: Allein die als „Halteprämie“ bezeichnete Sonderzahlung hatte ihm 2,4 Millionen Euro eingebracht, insgesamt kam er 2008 auf eine Gesamtvergütung von 3,3 Millionen Euro. Spannungsreich war zuletzt Kleins Verhältnis zu Aufsichtsratschef Frank Appel, dem Vorstandsvorsitzenden des Mutterkonzerns Deutsche Post. Während der langwierigen Verkaufsverhandlungen waren die beiden nicht immer einer Meinung gewesen. Auch Kleins Angebot, auf sein Gehalt zu verzichten, sorgte bei Appel für Verärgerung. Über neue berufliche Pläne des scheidenden Postbankchefs war am Freitag noch nichts bekannt.

Kleins Nachfolger Stefan Jütte ist mit seinen 63 Jahren der Senior im Postbankvorstand. Er war 2000 mit der Integration der Bonner DSL-Bank zur Postbank gekommen und vorher Vorstandssprecher der DSL-Bank gewesen. Im Postbankvorstand kümmerte sich der gebürtige Leipziger vor allem um den Ausbau des Firmenkunden- und Kreditgeschäfts. Schon sein Alter deutet darauf hin, dass er ein Übergangskandidat ist.


Deutsche Postbank
Banken

Text: bü./F.A.Z.
Bildmaterial: Deutsche Postbank

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