![]() |
Schließen |
Drucken |
![]() |
|
Bertelsmann Liz Mohns Favorit Von Johannes Ritter
Hartmut Ostrowski soll von 2008 an die Bertelsmann AG führen. Diese Entscheidung hat der Aufsichtsrat von Europas größtem Medienkonzern (RTL, Gruner + Jahr) an diesem Freitag gefällt. Der 48 Jahre alte Ostrowski ist im Bertelsmann-Vorstand für den Mediendienstleister Arvato verantwortlich. Er galt schon lange als Favorit für die Nachfolge von Gunter Thielen, der im Sommer 65 Jahre alt wird und zum Jahreswechsel an die Spitze des Kontrollgremiums wechseln soll. Bis zuletzt hatte sich aber auch sein Vorstandskollege Ewald Walgenbach, der die Direct Group (Buchclubs) führt, Hoffnung auf den Chefposten gemacht. Möglicherweise wird Walgenbach, der schon einmal mit einem Wechsel zu Haniel geliebäugelt hatte, nun über einen Abschied von Bertelsmann nachdenken. Liz Mohn schätzt ihn sehr Formal hat der gesamte Aufsichtsrat über die Nachfolge entschieden. De facto fällt Liz Mohn die Entscheidung. Die Frau von Firmenpatriarch Reinhard Mohn vertritt die Interessen der Eigentümerfamilie. Und Liz Mohn schätzt Ostrowski sehr. Sie mag dessen Bodenständigkeit und goutiert, dass der gebürtige Bielefelder, der fast seine ganze Karriere bei Bertelsmann verbracht hat, fest in der Region verwurzelt ist. Dass Ostrowski, so wie die Mohns, eine Finca auf Mallorca sein eigen nennt, dürfte ihm auch nicht zum Nachteil gereichen. Auch die jüngere Geschichte von Bertelsmann dürfte aus Mohns Sicht für Ostrowski sprechen. 2002 gab die Familie dem glamourösen und allzu expansionslustigen Thomas Middelhoff den Laufpass und ersetzte ihn durch Gunter Thielen. Anerkannt bei den Bereichsfürsten Ebenfalls von Arvato kommend, ist Thielen ein ähnlich nüchterner Typ wie Ostrowski. Unter Thielens Konsolidierungskurs ist die Rendite deutlich gestiegen. Die erhöhte Ertragskraft erleichterte es Bertelsmann, den von Liz Mohn gewünschten, milliardenschweren Aktienrückkauf zu schultern. Ostrowski auf die Rolle eines Günstlings am Hofe Mohn zu reduzieren, griffe allerdings zu kurz. Als Arvato-Chef hat er nachweislich gute Arbeit geleistet. Umsatz und Rendite dieser Sparte, bei der fast die Hälfte der 95.000 Bertelsmann-Beschäftigten arbeitet, sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. In einer externen Unternehmensanalyse hat Arvato im vergangenen Jahr gute Noten bekommen. Über das angestammte Druckgeschäft hinaus ist Ossi, wie er intern genannt wird, in allerlei Felder vorgestoßen: Arvato betreibt Call-center für die Deutsche Bahn oder Lufthansa, verschickt als großer Logistikdienstleister täglich 3 Millionen Sendungen und kümmert sich um die öffentlichen Dienstleistungen im Landkreis East Riding of Yorkshire. Bis 12 Uhr mittags, so Ostrowskis Credo, sollen sich seine Leute um die Abwicklung des Alltagsgeschäfts kümmern; danach sollen sie darüber nachdenken, welche neuen Geschäfte man entwickeln könnte. Currywurst und Arminia Das Mediengeschäft ist zunehmend technologiegetrieben. Da lassen neue Arvato-Geschäfte wie In2movie, eine gemeinsam mit Warner betriebene Internetplattform für das Herunterladen von Filmen, hoffen, dass der Zahlenmensch Ostrowski dazu in der Lage ist, auch den gesamten Konzern mit frischen Ideen in Schwung zu bringen. Denn das organische Wachstum der Gruppe war zuletzt nicht sonderlich beeindruckend. Bei seinen Vorstandskollegen ist Ostrowski anerkannt und akzeptiert; sie wissen, dass er nicht an dem Prinzip der Dezentralität, das den Bereichsfürsten relativ viel unternehmerische Freiheit gewährt, rütteln wird. Auch Ostrowskis Verhältnis zu Walgenbach gilt als gut. Beim Blick auf Ostrowskis Lebenslauf fällt auf, dass der Diplomkaufmann und Vater von zwei Kindern niemals im Ausland gearbeitet hat - ein Malus in einem Konzern, der mehr als zwei Drittel seines Umsatzes im Ausland macht. Auch fehlt Ostrowski, ein bekennender Currywurst-Liebhaber und Fan von Arminia Bielefeld, die Ausstrahlung, die gerade der Chef eines weltumspannenden Medienkonzerns vielleicht haben sollte. Ihn deshalb zu unterschätzen, wäre falsch. Auch der zunächst so trocken und spröde wirkende Thielen ist im Laufe der Zeit aufgetaut und locker geworden. Kurzum: Hartmut Ostrowski hat eine Chance. Text: F.A.Z.Bildmaterial: ddp
|
![]() |
|
© F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008 Dies ist ein Ausdruck aus berufundchance.fazjob.net |