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Bayer Schering Pharma Higgins übernimmt das Ruder
Arthur J. Higgins hat sich ein Appartement in Berlin-Mitte genommen. Da hat er es nicht weit bis zu seinem Büro in der Schering-Zentrale im Nachbarbezirk Wedding. Außerdem ist Berlin-Mitte der angesagteste Wohnbezirk der Hauptstadt: Er liegt im Zentrum des politischen Lebens der Republik, hat schöne Altbauten, verfügt über viele Kneipen, Galerien, Theater und ein junges Publikum. Berlin-Mitte wird gerne als Positivbeispiel für den gelungenen Vereinigungsprozeß genommen. Higgins, seit zwei Jahren Chef der Pharmasparte im Bayer-Konzern, macht sich das am ersten Tag nach der 95,11-prozentigen Übernahme des Schering-Konzerns zu eigen und zieht die Parallele von der Stadt zum Unternehmen. Zumindest hat es sich in beiden Fällen um eine freundliche Übernahme gehandelt, wenn nicht um eine Rettung – in Falle Scherings die vor einer feindlichen Übernahme durch Merck. Higgins kommt schließlich aus Schottland – was er mit Stolz vermerkt – und als die Mauer fiel, arbeitete er gerade im fernen Amerika, bei Abbott Laboratories. Lange Karriere in der Pharmaindustrie Higgins, der Biochemie studiert hat, blickt auf eine lange Karriere in der internationalen Pharmaindustrie zurück. Mit 22 Jahren startete er bei Bristol-Myers, ging zu Sandoz und zu Abbott, wo er das amerikanische Pharmageschäft verantwortete, Forschung und Entwicklung dazu. Als Bayer auf den heute 50 Jahre alten Vater dreier Kinder aufmerksam wurde, war Higgins Chairman und CEO von Enzon Pharmaceuticals in New Jersey. Seit Juli 2004 steht er dem Geschäftsbereich Bayer-Health-Care vor und hat all diejenigen Lügen gestraft, die das durch die Lipobay-Krise ins Straucheln geratene Pharmageschäft des Bayer-Konzerns für einen aussterbenden Zweig hielten. Mit dem Selbstbewußten des Erfolgreichen listete der weißhaarige Manager die von ihm angestoßenen Veränderungen auf, ohne die sich der Bayer-Aktienkurs seit 2004 nicht nahezu verdoppelt hätte. Jetzt kommt also Schering für 17 Milliarden Euro hinzu. Verantwortung für 9 Milliarden Euro Umsatz Als Vorstandsvorsitzender der Bayer-Schering-Pharma AG verantwortet Higgins nicht nur neun Milliarden Euro Umsatz, als Chef eines der drei Bayer-Geschäftsbereiche – neben Healthcare Kunststoffe und Pflanzenschutz – ist er für die reibungslose Integration von Schering zuständig. Die ist ihm „von größter Wichtigkeit“. Hängt davon doch ab, wann und ob Bayer seine Ankündigung wahr macht, sich im Pharmageschäft durch weitere Zukäufe zu verstärken. Die Integration von Schering macht Higgins nicht zu große Kopfschmerzen. Über Stellenabbau redet er nicht – wegfallen sollen 6000 Stellen – sein Thema sind die Wachstumsaussichten. Die Unternehmenskulturen seien ähnlich, der Fusionsprozeß auf einem guten Weg, sagt Higgins, der sich selbst offen und gesprächsorientiert nennt. Damit er dabei den neuen Standort Berlin nicht aus dem Auge verliert, übergab ihm der scheidende Schering-Chef Hubertus Erlen am Donnerstag die 1864 erteilte Genehmigung für den ersten Bau einer Fabrik. Auf dem Gelände produziert Schering noch heute. Text: ami./F.A.Z.Bildmaterial: dpa |
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