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RWE Großmann neuer Vorstandschef Von Brigitte Koch
Vor der Aufsichtsratssitzung hatte es Spekulationen um die künftige Konzernführung des nach Eon zweitgrößten deutschen Energieunternehmens gegeben. Neben der Version, der in diesem Jahr 59 Jahre alt werdende Roels werde wegen Erreichens der im RWE-Konzern üblichen Altersgrenze von 60 Jahren einen auf nur zwei Jahre befristeten Anschlussvertrag erhalten, waren auch Kandidaten wie der CDU-Politiker Friedrich Merz oder der Chef des Energieversorgers EWE, Werner Brinker, gehandelt worden. Dass Aufsichtsratschef Thomas Fischer, Vorstandsvorsitzender der WestLB, nun mit dem Inhaber des niedersächsischen Stahlunternehmens Georgsmarienhütte einen branchenfremden Unternehmer präsentiert, gilt in der Branche als handfeste Überraschung. Die Börse zeigte sich skeptisch. Der Kurs der RWE-Aktie verlor 3,4 Prozent auf rund 78 Euro. Interesse an einer langfristigen Regelung Roels war vor vier Jahren nach langer Suche an die Spitze des Essener Energiekonzerns geholt worden. Zuvor war der studierte Chemiker langjähriger Manager beim Ölmulti Shell. Harry Roels kann schon heute auf eine ungewöhnlich erfolgreiche Amtszeit als Vorstandsvorsitzender zurückblicken. Das Unternehmen und seine Eigentümer sind ihm zu großem Dank verpflichtet, wird Fischer in einer Mitteilung zitiert. Mit Großmann habe man die Gelegenheit, einen der erfolgreichsten deutschen Unternehmer und Topmanager frühzeitig an das Unternehmen zu binden. Deshalb habe der Aufsichtsrat im Interesse einer langfristigen Regelung auch nicht von der Bereitschaft Roels' Gebrauch machen müssen, dessen Vertrag über die satzungsmäßige Altersgrenze hinaus zu verlängern, formuliert Fischer weiter. In der Branche heißt es, zwischen ihm und Roels stimme die Chemie nicht sonderlich. Der amtierende RWE-Vorstandsvorsitzende hat in seiner knapp vierjährigen Zeit in Essen viel bewegt. Er hat das zuvor durch extensive Einkaufstouren seiner Vorgänger breit diversifizierte Konglomerat auf die Kerngeschäfte Strom und Gas fokussiert und zuletzt das ertragsschwache Wasser-Geschäft von Thames Water verkauft. Dank der konsequenten Konsolidierung verfügt der zuvor hochverschuldete RWE-Konzern heute über beträchtliche Finanzpolster. Der Aktienkurs hat sich seit seinem Antritt mehr als vervierfacht. Kritiker lasten ihm indessen an, keine klare internationale Vorwärtsstrategie für den Energiekonzern zu haben. Freund von Schröder und Wulfft Anders als Wettbewerber Eon, der sich mit der Übernahme von Endesa zum weltweit führenden Energieanbieter formen will, hat RWE bisher keine gewichtigen Akquisitionen präsentiert. Vielmehr wird der Essener Konzern am Markt seit geraumer Zeit als mögliches Übernahmeobjekt gesehen. Auch mit den mächtigen Kommunen, die immerhin mehr als 30 Prozent an RWE halten, ist Roels nie warm geworden, wie ihm überhaupt angelastet wird, sich zu wenig in politische Diskussionen eingebracht zu haben. RWE hat für 2006 einen Gewinnschub angekündigt. Detaillierte Zahlen werden am Freitag vorgelegt. Der 54 Jahre alte Großmann ist Alleininhaber der Georgsmarienhütte, zu der heute 43 Unternehmen mit insgesamt 9000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro zählen. Ende vergangenen Jahres hat er sich aus der operativen Führung des Unternehmens zurückgezogen. Er ist gut in der Politik vernetzt und gilt sowohl als Freund des früheren Kanzlers Gerhard Schröder als auch von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Text: F.A.Z.Bildmaterial: RWE |
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