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Epigenomics

Alex Olek geht

Alexander Oleg

Alexander Oleg

18. August 2006 „Der Aufsichtsrat der Epigenomics AG und der Vorstandsvorsitzende und Gründer der Gesellschaft, Alexander Olek, haben sich im gegenseitigen Einvernehmen darauf verständigt, den Dienstvertrag von Herrn Olek und sein Amt als Vorstandsvorsitzender mit Ablauf des 17. August 2006 zu beenden.“ So endet, im grauen Amtsdeutsch einer Pressemitteilung, das bisher wichtigste Kapitel im bunten Berufsleben eines jungen Wilden, eines einstigen deutschen Vorzeigegründers.

Keine operativen Gründe

Ob es den impulsiven bis hyperaktiven Olek zu diesem Schritt innerlich gedrängt hat oder ob er von den unzufriedenen Großaktionären seines Biotechnologieunternehmens dazu genötigt wurde, wird im Gespräch mit zwei der drei verbleibenden Vorstände und Mitgründer nicht deutlich. Es wird eine Mischung aus beidem gewesen sein. Operative Gründe für den Schritt gebe es nicht, wird versichert. Wer die Aktie seit dem Börsengang zu 9 Euro im Juli 2004 hält, hat aber auch so knapp die Hälfte seines Kapitals verloren.

Epigenomics entwickelt Diagnostiktests, mit denen Krankheiten wie Krebs früher erkannt und gezielter behandelt werden können. Schon die letzte Hauptversammlung hatte gezeigt, daß die Aktionäre mit dem bei Epigenomics besonders deutlich ausgeprägten Mißverhältnis von Fortschritten in der Produktentwicklung, neuen Allianzen und hinzugewonnenen Beteiligungspartnern einerseits und katastrophalem Aktienkurs andererseits vollkommen unzufrieden sind. Zum anderen ist angesichts Oleks’ Lebenslauf aber auch leicht vorstellbar, daß es den aufgekratzten Typen, der vor einer Woche 37 Jahre alt geworden ist, zu neuen Ufern gedrängt haben könnte.

Spontan mit Auswanderung gedroht

Hatte er nicht schon kurz nach dem Börsengang seines Unternehmens, der in der Presse keinen guten Widerhall gefunden hatte, spontan mit seiner Auswanderung aus Deutschland gedroht, von dem ihn nur sein Steuerberater noch abhalten konnte? Es sei suggeriert worden, daß es eine Dreistigkeit sei, als verlustbringendes Unternehmen an die Börse zu gehen. Das sei für die Branche ein Schock gewesen, hatte er damals gesagt. Bitter ist, daß Olek seine Kritiker bisher nicht widerlegen konnte. Das wird ihn, der bis dahin stets an schnelle Erfolge gewöhnt war, auf das äußerste ärgern.

Schließlich war Olek intelligent genug, seine Promotion als Molekulargenetiker im Alter von 27 Jahren zu beenden. Schon nach dem Abitur schlug er keinen angepaßten Weg ein, sondern entschied sich, zunächst für zwei Jahre nach Buenos Aires zu gehen. Olek sprach kein Wort Spanisch, als er in Argentinien ankam, aber er lernte die Sprache schnell. Er studierte dort ein paar Semester Mathematik, baute als Entwicklungshilfeprojekt auch zwei molekulargenetische Labore auf. Zum notwendigen Wissen hatte Olek familiären Zugang. Er konnte schon mit vierzehn Jahren im Labor seines Vaters mitarbeiten, eines Professors für molekularbiologische Diagnostik in Bonn. Nach seinem Aufenthalt in Südamerika studierte Olek in London und machte dort 1995 seinen Bachelor of Science in Biochemie.

Nachfolger steht noch nicht fest

Im Jahr 1998 erwarb er den PhD-Titel, hatte bis dahin aber auch schon zwei Biotechnologieunternehmen in Bremen und Berlin mitgegründet. Epigenomics wurde im November 1998 ins Leben gerufen. Dort war Olek zunächst Geschäftsführer, später Vorstandsvorsitzender – das Geschäftsmodell hatte er beim Studium in London mit seinem schon im vergangenen Jahr ausgeschiedenen Vorstandskollegen Aron Brown entwickelt. Oleks Platz im Vorstandsgremium soll nun ein Manager einnehmen, der Erfahrungen in der Vermarktung von Produkten einbringen kann. Ein solcher Manager aus der Diagnostika-Branche wird vom Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Rolf Krebs gesucht, dem ehemaligen Chef des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Wie zu hören ist, kann sich die Suche einige Zeit hinziehen. Epigenomics soll jedenfalls in eine neue Reifephase eintreten. Die Aktionäre würden es begrüßen.

Für Oleks Wegbegleiter ist es kein Wunder, daß er selbst die Zeit nicht mehr abwarten mag, bis sich die von ihm skizzierten hoffnungsvollen Zukunftsperspektiven für Epigenomics doch noch bestätigen. Schon vor Jahren hat er zu Protokoll gegeben, daß ihm in der Biotech-Branche alles nicht schnell genug gehe. Software und Internet seien „cool“. Sollte es daher Druck zu einem Amtsverzicht gegeben haben, wird ihn das gewiß nicht lange stören. Olek hat neue Ideen. Lob dafür wird er aber erst wieder mit neuem Erfolg bekommen.


Epigenomics
Pharma

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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