06. August 2006 Mit dem 46 Jahre alten Johann Berger verläßt ein weiterer Spitzenmanager die Hypo-Vereinsbank und zugleich eine Führungsposition in der Gruppe Unicredit. Berger gehörte zum erweiterten Führungskreis des Konzerns und war verantwortlich für kommerzielle Immobilienfinanzierung. Doch diese Sparte, die bisher bei Unicredit ohne Bedeutung war, gilt langfristig als zu klein, um einen Sitz in Mailand zu rechtfertigen.
Die neue Produktfabrik
Unicredit wurde jahrelang geführt von einem besonders kleinen Führungskreis, zu dem neben Alessandro Profumo als Chief Executive und Generaldirektor anfangs nur drei weitere Manager mit dem Titel "Vize-Generaldirektor" gehörten. Sie waren verantwortlich für die Divisionen Massengeschäft ("Retail"), Privatbank und Anlageverwaltung sowie Unternehmen. Nach der Übernahme der Hypo-Vereinsbank wurde der Finanzchef in den gleichen Rang erhoben, zudem wurden neue Divisionen für Osteuropa (Polen, Investmentbanking) sowie für bankinterne Dienstleistungen wie Computersysteme (Paolo Fiorentino) geschaffen. Johann Berger wurde zwar zuletzt formell als Chef einer "Division" geführt, doch wird diese künftig umgestaltet zu einer "Produktfabrik", die nicht im engeren Führungskreis von Unicredit vertreten ist. Bergers Abschied ist nun ein bedenkliches Signal für Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank, die ihn als einzigen Vertreter der Hypo-Vereinsbank in der Konzernspitze sahen, der das Bankgeschäft im Haus von der Pike auf gelernt habe.
Schmittmann hat Erfahrung mit Integrationen
Eigentlich hätten nach der Übernahme der HVB die Divisionen Unternehmen und Investmentbanking mit deutschen Managern besetzt werden sollen, doch hatten die früheren HVB-Vorstände den Abschied genommen. Nun wird HVB im erweiterten Führungskreis der Unicredit-Gruppe noch vertreten durch Henning Giesecke als Chief Risk Officer, Franz Herrlein als Verantwortlichen für die Integration der HVB in die Unicredit und den HVB-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Sprißler.
Im Vorstand der Hypo-Vereinsbank wird Johann Berger ersetzt durch den 49 Jahre alten Stefan Schmittmann, der sich während der vergangenen Jahre um die Integration der Vereins- und Westbank in die HVB gekümmert hatte.
Entwicklung
Hypo-Vereinsbank
Finanzen
Text: F.A.Z., 05.08.2006, Nr. 180 / Seite 16
Bildmaterial: HVB, Unicredit