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30. August 2008

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Unternehmen des Monats

Merck

Kley löst Römer ab



Karl-Ludwig Kley
Ruhige Zeiten sehen anders aus: Die Auswirkungen der Integration des Schweizer Biotechnologieunternehmens Serono in den traditionsreichen Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA treiben die Beschäftigten um. Rund 4000 von ihnen haben sich auf Einladung des Betriebsrats am Aschermittwoch in der Merck-Zentrale versammelt, um sich von der Geschäftsleitung über deren Zukunftspläne unterrichten zu lassen.

Ungern im grellen Licht der Öffentlichkeit

Und so hatte Karl-Ludwig Kley, der eher ungern im grellen Licht der Öffentlichkeit steht, an einem besonderen Tag einen besonderen Auftritt. Nur wenige Stunden zuvor hatte das Familienunternehmen mitgeteilt, dass der promovierte Jurist Kley der nächste Vorsitzende der Geschäftsleitung wird. Kley soll den Amtsinhaber Michael Römer nach der Hauptversammlung am 27. April ablösen.

Auf der Betriebsversammlung traten Römer und Kley gemeinsam auf - so wie sie schon in den vergangenen Monaten das Unternehmen in einem Team durch ungewöhnlich abwechslungsreiche Zeiten geführt haben. Römer ist unter den Beschäftigten seit langem gut gelitten. Aber auch Kley kann inzwischen einige Vertrauenspunkte für sich verbuchen. Seine lockere, offene Art bringt ihm schnell Sympathien ein, so auch vor der großen Runde der Mitarbeiter.

Feine Ironie

Unter den Merck-Führungskräften ist der ehrgeizige und zielstrebige Kley ohnehin schon länger kein Unbekannter mehr: Der künftige Chef war im September vergangenen Jahres nach acht Jahren als Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa auf den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden der Merck-Geschäftsleitung gewechselt - was seither als Warteposition für die Führungsrolle interpretiert wurde. Und Kley sitzt seit 2004 im Gesellschafterrat der E. Merck OHG, in der die Familieneigentümer von Merck ihre Anteile gebündelt haben und in deren Vorstand Römer künftig wechseln wird. Als er geholt wurde, war der Plan, dass sich Kley bei Merck um die Integration des Pharmakonzerns Schering kümmern sollte.

Bei dem Übernahmeversuch unterlag Merck allerdings dem Konkurrenten Bayer. Merck musste sich neu orientieren und erwarb einige Zeit später Serono, wodurch ein neues Arbeitsfeld für den am 11. Juni 1951 geborenen Kley geschaffen wurde. Dass Bayer den Darmstädtern Schering weggeschnappt hat, bekommt im Zusammenhang mit Kley eine feine Ironie. Denn Bayer war für mehr als 15 Jahre Kleys Arbeitgeber vor seinem Wechsel zur Lufthansa im Jahr 1998.

Vorausschauender Finanzstratege

Wichtige Erfahrungen sammelte Kley dort während acht Auslandsjahren in Japan und Italien, noch heute weilt er gerne in der Toskana und interessiert sich für japanische Kunst. Als Finanzvorstand der Lufthansa hat Kley wichtige Integrationserfahrungen gesammelt; er setzte die Übernahme der Fluglinien Swiss und Eurowings um. Und er weiß, dass auch bei der Integration von Serono Geschwindigkeit zählen wird. Als er bei der Lufthansa ausschied, galt diese als einer der solidesten Luftfahrtkonzerne, was nicht zuletzt als Kleys Verdienst gewürdigt wird, musste er das Unternehmen doch auch durch die schweren Jahre nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 begleiten.

Der Vater eines Sohnes trat immer für eine vorausschauende Finanzstrategie ein, die das Ziel hatte, die Lufthansa auf eigenständige finanzielle Beine zu stellen. Geschätzt wurde schon auf Kleys früheren Stationen sein Sinn für die schönen Dinge des Lebens abseits der Arbeit. Ob Kunst, Literatur oder Fußball - Kleys Interessen sind breit gefächert. Nach Darmstadt wird der überzeugte Kölner wohl nicht umziehen. Sein Fußballherz schlägt für den Kölner FC und Bayer Leverkusen gleichermaßen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Merck
 
 
   
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