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Goldman Sachs

Otmar Issing wird Investmentbanker



Ottmar Issing war von 1998 bis 2006 Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank
16. Oktober 2006 
Der ehemalige Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank, Otmar Issing, wird nach Informationen dieser Zeitung eine Position bei der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs übernehmen. Damit vergrößert sich die Riege ehemaliger Bundesbank-Größen, die nach Ende ihrer Karriere als Geldpolitiker eine (in der Regel gut dotierte) Position im privaten Bankwesen übernehmen. Ihre Aufgaben sind überwiegend beratender und repräsentierender Natur; außerdem können sie dank ihrer guten Vernetzung in der internationalen Politik und Wirtschaft die eine oder andere Tür öffnen.

Issing war im Frühjahr im Alter von 70 Jahren aus der EZB ausgeschieden, deren Führung er acht Jahre lang angehört hatte. Zuvor war er Chef-Volkswirt der Bundesbank gewesen. Der aus Würzburg stammende Ökonom galt in den letzten Jahren als einer der angesehensten und einflußreichsten Geldpolitiker der Welt. Daß sich der vitale Issing nach seinem offiziellen Ruhestand nicht mit einem beschaulichen Rentnerleben im heimischen Würzburg bescheiden würde, war klar. Vor einiger Zeit übernahm er bereits die Kuratoriums-Präsidentschaft des Center for Financial Studies, eines hochkarätigen Forschungsinstituts in Frankfurt, von dem früheren Bundesbank-Chef Karl Otto Pöhl. Der heute im Engadin und in Portugal lebende Mittsiebziger hatte vorgemacht, wie ein namhafter Geldpolitiker im privaten Bankwesen reüssieren kann. Nachdem er die Bundesbank Anfang der neunziger Jahre verlassen hatte, trat Pöhl als persönlich haftender Gesellschafter in das Kölner Privatbankhaus Sal. Oppenheim ein. Von 1993 bis 1998 war er Sprecher des Gesellschaftergremiums. "Manchmal ist es ganz gut, einen älteren Herrn dabeizuhaben", sagte er seinerzeit schmunzelnd über seine vermittelnde Rolle in der Führung der Bank.

Pöhls Nachfolger Helmut Schlesinger gehörte nach seinem Eintritt in den Ruhestand einige Jahre dem Verwaltungsrat der BHF-Bank an. Sein Nachfolger als Bundesbankpräsident, Hans Tietmeyer, agiert seit dem Jahre 2003 im Beirat der französisch-amerikanischen Investmentbank Lazard. Neben einigen weiteren Mandaten berät der knorrige Westfale die deutschen Bischöfe und den Vatikan.

Jung genug, um "richtiges Bankgeschäft" zu machen, ist der 55jährige Gerd Häusler, der als neuer Managing Director von Lazard Regierungsberatung betreiben und Unternehmenskunden beraten soll. Häusler galt in den achtziger und frühen neunziger Jahren als "Wunderkind der Bundesbank", die er aber verließ, um Vorstand der Dresdner Bank zu werden. Nach einigen Jahren beim Internationalen Währungsfonds kehrt Häusler nun an den Main zurück. gb.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.10.2006, Nr. 41 / Seite 43
Bildmaterial: REUTERS
 
 
   
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