11. Oktober 2006 In der Geschäftsleitung der Essener WAZ-Gruppe droht ein Machtvakuum. Wie am Mittwoch bekannt wurde, scheidet Detlef Haaks, 45 Jahre, aus der Geschäftsleitung des zweitgrößten deutschen Zeitungsverlags aus. Haaks wechselt zum 1. April 2007 in die Geschäftsführung des Deutschen Sparkassenverlags in Stuttgart. Schon vor einem Jahr hatte Lutz Glandt die WAZ-Geschäftsführung verlassen. Auch sein Posten wurde bisher nicht neu besetzt. Die beiden Manager waren als Vertreter des sogenannten Funke-Stamms unter den Eigentümern in die vierköpfige Gruppengeschäftsführung berufen worden.
Dem Funke-Stamm gehört die Hälfte des Unternehmens. Sollten bis zum Ausscheiden von Haaks im kommenden Frühjahr keine Nachfolger benannt sein, wäre die Funke-Seite in der Geschäftsleitung gar nicht mehr vertreten. Die andere Hälfte der WAZ-Gruppe gehört dem sogenannten Brost-Stamm, der von den Geschäftsführern Erich Schumann und Bodo Hombach vertreten wird.
Zerstrittene Eigner
Ein WAZ-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu der offenen Nachfolgefrage äußern. In Branchenkreisen wird bezweifelt, daß die Funke-Seite sich rasch auf einen Ersatz für Haaks und Glandt einigt, denn die Eigner sind untereinander zerstritten. Auch gilt es angesichts der unklaren Verhältnisse als schwierig, fähige Manager für die Führungsposten zu gewinnen.
Miteigentümerin Petra Grotkamp will durchsetzen, daß sie mit ihrem Anteil von 16,7 Prozent weiterhin wichtige Entscheidungen in dem Zeitungskonzern blockieren kann. Unter den WAZ-Gesellschaftern gilt bisher das Einstimmigkeitsprinzip. Andere Mitglieder des Funke-Stamms wollen diese Entscheidungsregeln offenbar reformieren. Zudem soll es Überlegungen geben, die Gesellschaftsform von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.
Entscheidungen werden blockiert
Der seit vielen Monaten schwelende Streit beschäftigt mittlerweile auch die Gerichte. Eine Einigung ist bisher nicht in Sicht. Die komplizierten Eigentumsverhältnisse haben schon in der Vergangenheit Entscheidungen in der WAZ-Gruppe behindert. So kam vor vier Jahren ein Einstieg bei der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 nicht zustande. Auch eine mögliche Beteiligung am Axel Springer Verlag scheiterte, weil sich die Gesellschafter nicht einigen konnten.
Haaks werde bei der DSV-Gruppe die Verantwortung für die Geschäftssparte Medien sowie die hauseigene Agentur für Kommunikation übernehmen. Der gebürtige Hamburger löst DSV-Geschäftsführer Thomas Weiss, 44 Jahre, ab, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verläßt.
Die DSV-Gruppe, die sich aus dem Deutschen Sparkassenverlag sowie seinen Tochter- und Beteiligungsunternehmen zusammensetzt, zählt mit einem Jahresumsatz von rund 713 Millionen Euro zu den zehn umsatzstärksten Medienhäusern Deutschlands. Die DSV-Gruppe ist mit klassischen Verlagsmedien wie Bücher, Ratgeberreihen, Fach- und Kundenzeitschriften auf dem Markt. Das 1935 gegründete Unternehmen beschäftigt 1660 Mitarbeiter.
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Text: theu./dpa
Bildmaterial: DSV-Gruppe