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Axa

Frank Keuper kehrt als Chef zurück

Von Stefan Ruhkamp



Frank Keuper
08. September 2006 
Die Axa hat einen verlorenen Sohn eingesammelt. Sie macht Frank Keuper zum neuen Chef der Axa Deutschland - einen Manager, dessen Berufsleben eng mit der Gruppe verbunden ist und der vor zwei Jahren zur Konkurrenz wechselte. Die Franzosen und auch Keuper scheinen nicht nachtragend zu sein: In der Branche wird kolportiert, nach dem Wechsel habe es zwischen Axa und Keuper noch Streit ums liebe Geld gegeben. Offenbar sind beide Seiten über ihren Schatten gesprungen.

Vielleicht ist es aber auch Schicksal, denn Keuper hat ein Déja vu. Als Chef der DBV-Winterthur erlebt er schon die zweite Übernahme durch die Axa. Keuper, Jahrgang 1953, begann sein Berufsleben bei der Albingia und war Vorstand, als die Axa Ende der neunziger Jahre aus dem Hamburger Versicherer sowie aus Colonia und Nordstern ihren deutschen Ableger formte. Schon damals schaffte Keuper nach der Übernahme den Sprung in den Vorstand der Axa Deutschland.

Beim Wort genommen

Die neuerliche Berufung Keupers ist auch in einem anderen Zusammenhang bemerkenswert. Denn die Franzosen, die innerhalb von zwei Jahrzehnten von einem regionalen Versicherungsverein zu einem Weltkonzern mutiert sind, stehen für eine aggressive Wachstumsstrategie. Nach Unternehmenskäufen dauert es nicht lang, bis das Geschäft der einzigen Marke "Axa" eingegliedert ist. Für einen großen Teil des Managements und der Beschäftigten ist danach meist kein Platz mehr.

Keuper erging es bei der Übernahme der Albingia zwar besser, aber viele Kollegen mußten damals gehen. Das dürfte er im Hinterkopf gehabt haben, als er in den vergangenen Wochen die Beteuerungen von Axa-Chef Henrie de Castries hörte, "Qualität geht vor Herkunft." Keuper nahm ihn beim Wort und trat seit Bekanntgabe der Übernahme im Tandem mit dem bisherigen Axa-Chef Eugène Teysen auf, der sich künftig um den belgischen Axa-Ableger kümmern wird.

Ehrgeiz nicht auf die Stirn geschrieben

Der Ehrgeiz ist Keuper nicht auf die Stirn geschrieben. Im Gespräch wirkt er zuvorkommend, freundlich und zurückhalten, zugleich aber auch präzise und bestimmt. Hartnäckig hat er sein Ziel, eine Versicherungsgruppe zu leiten, verfolgt. Als er bei der Axa vor zwei Jahren keine Perspektive mehr sah, wechselte er zur DBV. Die Gesellschaft war damals ein Sanierungsfall. Stark im Geschäft mit Ärzten und Beamten, aber mit hohen Kosten belastet und unter mangelndem Wachstum leidend.

Keuper setzte die von seinem Vorgänger Hartmut Nickel-Waninger begonnene Umstrukturierung fort. Den Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen vollzog Keuper ohne allzu großes Aufsehen und bewahrte ein gutes Verhältnis zu den Vertretern der Arbeitnehmer. Die DBV liefert inzwischen wieder ansprechende Geschäftszahlen und hat sich unter Keupers Leitung im wichtigen Geschäftsfeld der betrieblichen Altersversorgung eine gute Position verschafft.

Keuper hat schwierigen Chef

Seine umgängliche Art kommt ihm nun zugute. Denn Keuper hat es mit einem ebenso schillernden wie schwierigen Chef zu tun. Henrie de Castries, Sohn einer französischen Offiziersfamilie, spricht fließend Deutsch und duldet keinen Widerspruch. Das bekam vor gut einem Jahr Claus-Michael Dill zu spüren. Der Vorgänger von Eugène Teysen weigerte sich, die Direktiven aus Paris akkurat umzusetzen, und ging auf Konfrontationskurs. Dill mußte gehen. Er leitet heute den Klinikbetreiber Damp 2000.

Für eine Beurteilung von Keupers Gesellenstück - der Sanierung der DBV - ist es noch zu früh. Ein gutes Stück der Arbeit hat der Vorgänger geleistet. Zudem hat die Gruppe noch nicht bewiesen, daß sie nachhaltig profitabel arbeiten kann. Auch die erste Zeit als Vorstand der Axa Deutschland war für Keuper zu kurz. Nun muß der Familienvater sein Meisterstück liefern. Denn auch die Axa befindet sich in Deutschland in einer schwierigen Phase. Das Unternehmen leidet unter einer seit langem andauernden Wachstumsschwäche. Das Vertriebsnetz kann nur mit Mühe auf Kurs gehalten werden. Keuper muß in den kommenden Monaten vor allem sein Verkaufstalent beweisen.

Text: F.A.Z., 09.09.2006, Nr. 210 / Seite 15
Bildmaterial: Winterthur
 
 
   
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