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Boudgoust wird Intendant

Von Michael Hanfeld

Peter Boudgoust

Peter Boudgoust

Peter Boudgoust ist neuer Intendant des Südwestrundfunks (SWR). Der bisherige Verwaltungsdirektor des SWR bekam am Freitag bei der gemeinsamen Sitzung des Rundfunk- und des Verwaltungsrates in Stuttgart im zweiten Wahlgang die erforderliche Mehrheit. Er setzte sich gegen seinen hausinternen Konkurrenten, den Landessenderdirektor Baden-Württemberg Willi Steul, durch. Der 51jährige Boudgoust erhielt 62 von 83 abgegebenen Stimmen. Er erhielt zugleich die Mehrheit der Rundfunkräte aus Baden-Württemberg und aus Rheinland-Pfalz.

Boudgoust hatte schon im ersten Wahlgang mit großer Mehrheit geführt und seine beiden Konkurrenten, Steul und den Fernsehdirektor Bernhard Nellessen, abgehängt. Vor dem zweiten Wahlgang zog Nellessen, der das schwächste Ergebnis hatte, „als Sportsmann“ zurück, Steul trat als „alter Kämpfer“ ein zweites Mal an. Boudgoust bedankte sich bei den Rundfunk- und Verwaltungsräten für den „großartigen Vertrauensbeweis“. Er bedankte sich auch bei seinen Konkurrenten. Man arbeite seit Jahren gut zusammen, kenne und schätze sich, und dies werde auch in Zukunft so bleiben. Boudgoust hatte beider Vorstellungsrunde die überzeugendste Rede gehalten und den größten Applaus bekommen. Er sagte, man müsse als Intendanz Idealist und Realist zugleich sein, Herz und Verstand haben, kreativ und belastbar sein und ein großes Verantwortungsgefühl für den Sender empfinden.

Vom Justitiar zum Intendanten

Peter Boudgoust wird allseits hochgeschätzt. Er ist Jurist, war im baden-württembergischen Staatsministerium, bevor er 1995 zum damaligen Süddeutschen Rundfunk als Justitiar wechselte. Er ist seit der Fusion des SDR mit dem Südwestfunk im Jahr 1998 Verwaltungsdirektor des SWR. Er galta auch als heimlicher Favorit des noch amtierenden Intendanten Peter Voß.

Voß, der sich im Frühjahr vorzeitig zurückzieht, hat seinen Platz in der deutschen Rundfunkgeschichte sicher. Die Fusion von SDR und SWF ist in weiten Teilen sein Werk. Sein verbissener Elan hat die Sache vorangetrieben, scheint er doch, auch wenn er das heute vielleicht nicht mehr so gerne hört, überhaupt gemacht für die Schlacht. Aufrecht, mit offenem Visier, immer feste druff. Mit den Mühen der Ebene tat er sich ungleich schwerer, die zweiten und dritten Schritte der Fusion, rationellere Arbeitsanläufe etwa, kamen nicht mehr so recht voran. Die Gründung einer eigenen Filmproduktionstochter, der Maran-Film, hat zum Beispiel wenig anderes gebracht als immer dürftigere Drehbücher für immer mittelmäßigere „Tatorte“.

Im Mittelmaß scheint der SWR ohnehin steckenzubleiben - das Politmagazin „Report“ und die gerade häufig im Ersten zu sehenden Infostücke ebenso ausgenommen wie immer wieder außergewöhnliche Produktionen: Der Film „Nicht alle waren Mörder“ nach dem Buch von Michael Degen ist dafür das jüngste, beste Beispiel. Doch wird man auch beim SWR sehen, daß in dieser Hinsicht beim Bayerischen oder dem Norddeutschen Rundfunk mehr läuft. Und da müßte ja nicht so sein.


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Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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