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Kommentar

Mehr als nur zweite Wahl

08. September 2005 Die Deutsche Börse bleibt unter eidgenössischer Führung. Der Schweizer Reto Francioni wird der neue Vorstandsvorsitzende und Nachfolger von Werner Seifert. Eine Überraschung ist das nicht. Aber nicht jedermann am Finanzplatz Frankfurt wird Francioni als erste Wahl einstufen. Dafür ist sein Name zu eng mit dem Scheitern des Neuen Marktes verknüpft. Gleichwohl kann sich seine Berufung als gute Wahl erweisen.

Denn gegenüber allen anderen Kandidaten hatte er den Vorzug, daß er nicht nur das Börsengeschäft beherrscht, sondern auch noch die Deutsche Börse kennt. Immerhin war er jahrelang deren stellvertretender Vorstandschef. Es wäre wahrscheinlich gar nicht gut gewesen, wenn Seiferts Nachfolger, wie mancherorts erhofft, aus einer Bank gekommen wäre. Denn mit einer Bank hat die Deutsche Börse wenig gemein. Sie ist aufgrund ihrer starken vertikalen Struktur auch keine klassische Börse mehr. Am ehesten wird ihr noch das Etikett eines Systemhauses gerecht. Und dieses Systemhaus ist heute die am höchsten bewertete Börsengesellschaft der Welt.

Francioni steigt damit auf einem hohen Niveau ein. Er muß schon sehr kreativ werden, um in überschaubarer Zukunft noch einen Mehrwert für seine bekanntermaßen anspruchsvollen Aktionäre zu erwirtschaften. Vielleicht wäre ein erster Schritt eine Verschmelzung der Deutschen Börse mit Francionis derzeitigem Arbeitgeber, dem Eurex-Partner Swiss Exchange. Seifert hatte das versucht, Francioni kann es gelingen.



Text: dri., F.A.Z.

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