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| Einer der innovativsten Personalführer in Deutschland: Thomas Sattelberger |
24. April 2007
Es war von Anfang an mehr als ein Gerücht. Weder bei Continental in Hannover noch bei der Deutschen Telekom in Bonn wurden die ersten Meldungen zu der Personalie dementiert. Thomas Sattelberger werde seine Arbeit als Personalvorstand des Automobilzulieferers aufgeben und in gleicher Funktion von der Leine an den Rhein ziehen, hieß es. Seit der Conti-Hauptversammlung am Dienstag gibt es Gewissheit: Sattelberger habe vorzeitig um die Auflösung seines Vertrages gebeten, teilte Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg sehr zu unserem Kummer mit. Zwar schweigt Sattelberger noch über seine beruflichen Pläne, doch soll er schon in der kommenden Woche vom Aufsichtsrat der Deutschen Telekom zum Personalvorstand des Telekommunikationskonzerns ernannt werden.
Der Posten ist seit längerem vakant und wird zur Zeit von Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick mitbetreut. Das war nicht länger haltbar, denn den Bonnern stehen Aufgaben ins Haus, die auch ein kampferprobter Arbeitsdirektor wie Sattelberger nicht nebenbei erledigt. Das ehemalige Staatsunternehmen ringt mit den Arbeitnehmervertretern um die Bedingungen für die Ausgliederung von 50 000 Beschäftigten in drei Servicegesellschaften. Das bedeutet: länger arbeiten für weniger Geld und deshalb auch - Ärger. Sattelberger wird gute Argumente für schmerzhafte Lösungen aufbringen müssen und wohl noch mehr Durchsetzungsstärke. Genau daran mangelt es ihm ganz sicher nicht. Weggefährten unter Personalmanagern streichen das heraus, ehemalige Gegner wollen lieber nicht daran erinnert werden.
Professionelle Strahlkraft
Personalmanager glauben an Sattelbergers professionelle Strahlkraft. Der 57 Jahre alte Mann, seit 2003 bei Conti, sei unumstritten einer der innovativsten Personalführer in Deutschland, überzeugt davon, dass sein Bereich mehr als nur das traditionelle Geschäft beherrschen müsse, wenn er einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wolle. Wenn es also einer schaffe, die Probleme der Telekom zu lösen, dann er. Weil Sattelberger den Sinn fürs Geschäft verbinde mit dem Sinn für die Beschäftigten. Weil er intellektuell reflektieren könne. Weil er pragmatisch sei und schnell Entscheidungen treffen könne. Weil er neue Ideen entwickele, wenn andere schon an ihre Grenzen gestoßen sind.
Tatsächlich ist der Mensch Sattelberger offen und zugänglich, hemdsärmelig und herzlich, hilfsbereit und humorvoll und nicht auf Rang und Namen bedacht. Doch der Personalvorstand Sattelberger ist vor allem zielstrebig: Diskussionsfreude wird ihm dann schon mal als Dogmatismus ausgelegt, Durchsetzungsstärke als Gnadenlosigkeit. Sein Nachfolger Heinz-Gerhard Wente, Vorstandsmitglied der Sparte Conti-Tech und ein reines Hausgewächs, muss sich vom 3. Mai an in diesem Schatten profilieren.
Ein Typ mit Ecken und Kanten
So unterschiedlich, wie er wahrgenommen wird, beweist das nur eines: Sattelberger, ein Typ mit Ecken und Kanten, polarisiert. Und wie. Gewerkschafter Peter Hüttenmeister, Landesbezirksleiter der IG BCE in Niedersachsen, sagt gar nichts: Damit wäre ihm zuviel der Ehre angetan. Der Groll sitzt tief, seitdem der schwäbische Top-Manager, der früher bei Daimler und der Lufthansa schaffte, die Entscheidung des Conti-Vorstands durchsetzte, die Autoreifenproduktion in Hannover-Stöcken zu schließen und nach Osteuropa zu verlagern. Im emotionalen Streit um die Arbeitsplätze nannte die Bild-Zeitung Vorstandschef Manfred Wennemer einen Reifen-Rambo. Einen Zahlenfuchs nennt der Betriebswirt Sattelberger mit einiger Bewunderung den Mathematiker Wennemer und weicht keinen Meter von seiner Seite: Wir haben bewiesen, was wir entscheiden, setzen wir um. Das ist eine Standfestigkeit, nach der sich Telekom-Chef René Obermann sehnen dürfte. Verdi weniger.
Sattelbergers neuer Job sieht aus wie die sprichwörtliche neue Herausforderung - jetzt, wo das Haus bei der kraftstrotzenden Conti gut bestellt ist. Doch sollen Arbeitnehmervertreter signalisiert haben, sie würden Sattelbergers Vertragsverlängerung im Sommer 2008 nicht zustimmen. Verhandlungen darüber hätten bald beginnen müssen. So lässt sich auch sagen, Sattelberger geht lieber freiwillig. Der Weg nach Bonn ist deshalb so konsequent wie naheliegend. Conti-Aufsichtsratschef Grünberg sitzt auch im Aufsichtsrat der Telekom.