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Nix wie weg - die TUI hat nix zu lachen Es läuft nicht rund bei der TUI. Weder das Touristikgeschäft noch die Containerschiffahrt. Jetzt verlangt der Aufsichtsrat ein Konzept. Von Gerald Braunberger 26. August 2006 Endlich mal ein Cluburlaub ohne das morgendliche Wettrennen um die bestplazierten Liegen am Strand und am Pool. Kein Gedränge im Restaurant oder abends an der Poolbar stört den Urlaub: Im Robinson Club Lyttos Beach geht es in diesem Sommer ohne jede Hektik zu. Der Grund ist für den erfahrenen Gast offensichtlich: Der Ferienklub an der Nordküste Kretas ist gut besucht - aber ausgebucht ist er, anders als im vergangenen Jahr, nicht. Die freien Liegen am Strand von Kreta stehen geradezu symbolisch für den unbefriedigenden Zustand des Robinson-Eigentümers TUI. Dessen Vorstand und Aufsichtsrat treffen sich in der kommenden Woche in einem anderen Robinson-Club nahe Salzburg, um über die Strategie des Tourismus- und Schiffahrtskonzerns zu sprechen. Denn die gesamte TUI läuft nicht gut - und die Börse wird langsam unruhig, weil Vorstandschef Michael Frenzel bisher kein klares Konzept für eine Gesundung vorgelegt hat. Vom Treffen der Führung in Österreich sind keine Wunder zu erwarten. "Das ist eine Strategiesitzung, wie sie jedes Jahr stattfindet", heißt es bei der TUI. "Es ist keineswegs zwingend, daß dort wichtige Entscheidungen getroffen werden." Die in Hannover ansässige TUI ist vielleicht das ungewöhnlichste deutsche Großunternehmen. Vor zehn Jahren war es unter dem Namen Preussag noch in der Stahlindustrie tätig. Dann kam Frenzel und verwandelte das Industrieunternehmen Preussag in den großen Dienstleister TUI. Der Manager machte die TUI zum größten Touristikkonzern Europas mit 3300 Reisebüros, rund 300 Hotels mit 165 000 Betten, 5000 Reiseleitern und mehreren Fluggesellschaften. Zum Reich der Hannoveraner gehören die Ferienclubbetreiber Robinson und Magic Life, Hotelketten wie Riu, Dorfhotel und Grecotel sowie mehrere Reiseveranstalter, darunter Airtours und Dr. Tigges. Die Touristik erzielte im ersten Halbjahr 2006 einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro, rund zwei Drittel des Konzernumsatzes der TUI. Das verbleibende Umsatzdrittel von gut drei Milliarden Euro entfällt auf das zweite Standbein des Konzerns, die in der Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd gebündelte Schiffahrt, die mit mehr als 140 Containerschiffen zu den größten Anbietern in ihrer Branche zählt. Erfolgreich verliefen die Geschäfte zuletzt nicht. Die Touristik verdiente ein wenig Geld, das in der Schiffahrt wieder verlorenging. Zusammengerechnet ergab sich für den Konzern im ersten Halbjahr ein Verlust von 53 Millionen Euro bei einem Umsatz von fast 10 Milliarden Euro, ohne daß eine durchgreifende Verbesserung erkennbar wäre. Überdies lasten Schulden über 2,9 Milliarden Euro auf der TUI. Kein Wunder, daß Aufsichtsräte und Aktionäre unruhig werden. Allerdings sind sich die Experten einig: Ein Wundermittel, die TUI rasch auf Vordermann zu bringen, gibt es nicht. Eine von Fondsmanagern vorgebrachte Forderung lautet, den Konzern mit einem sauberen Schwertstreich in zwei unabhängige Teile zu zertrennen. "Zwischen der Touristik und der Containerschiffahrt gibt es keine Verbindungen, die sich im Interesse des gesamten Unternehmens nutzen ließen", sagt Finanzanalyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Frenzel wehrt sich gegen eine Aufspaltung seines Lebenswerks, und nach Ansicht mancher Beobachter hat er damit zumindest im Moment nicht ganz unrecht. Denn um die TUI mit finanziellem Erfolg zu zerlegen, müßte man den Konzern erst einmal auf Vordermann bringen. Doch das erscheint nicht ganz einfach. Beispiel Touristik: In dieser Sparte befinden sich unter anderem die Fluggesellschaften Hapagfly (die vor allem Touristenziele ansteuert) und HLX (eine Billigfluglinie, die Städte miteinander verbindet). Das Geschäft lohnt sich nicht, unter anderem, weil die beiden Gesellschaften zu klein sind. "Kein Touristikunternehmen braucht eigene Flugzeuge. Eigentlich müßte die TUI ihre Airlines verkaufen, um diesen Klotz am Bein loszuwerden", sagt ein Analyst einer großen Frankfurter Bank. "Aber wegen der Überkapazitäten in der Luftfahrt würde sie wohl keinen vernünftigen Preis für die Flieger erzielen." Frenzel denkt daher nicht an eine rasche Trennung. "Ein vollständiger Ausstieg aus dem deutschen Fluggeschäft ist zur Zeit nicht denkbar", bestätigt ein Sprecher der TUI. Aber was sonst? Einige Aufsichtsräte liebäugeln mit der Idee, Hapagfly und HLX zu fusionieren, um Verwaltungskosten einzusparen. Ein Durchbruch wäre das nicht. Daher gibt es auch die Überlegung, die Flugzeugsparte durch Zukäufe - etwa des Charterfliegers Condor - zunächst schlagkräftiger zu machen und erst danach gewinnbringend zu verkaufen. Aber auch das übrige Touristikgeschäft läßt zu wünschen übrig. "Als Hotelbetreiber ist die TUI zwar gut aufgestellt", findet Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Aber die Zukunft des Geschäfts als Reiseveranstalter ist fragwürdiger." Das Interesse gerade junger Menschen an organisierten Pauschalreisen nimmt ab. Sie finden es einfacher und billiger, im Internet selbständig Flug, Hotel und Mietwagen zu buchen. Die Unzufriedenheit in der TUI mit der Touristik dürfte in den kommenden Tagen mit der Trennung von den Vorstandsmitgliedern Sebastian Ebel und Eric Debry offensichtlich werden. Wenn wenigstens die Schiffahrt gut liefe! Doch davon kann keine Rede sein. Die Sparte weist für das erste Halbjahr einen Verlust aus und mußte erst kürzlich ihre Prognose für das zweite Halbjahr nach unten korrigieren, was an der Börse gar nicht gut ankam. Die Containerschiffahrt der TUI leidet wie die gesamte Branche unter hohen Energiekosten und niedrigen Frachtraten als Folge einer eisenharten Konkurrenz zwischen den Reedereien. Eine baldige Erholung der Frachtraten gilt in der Branche als ausgeschlossen. Frenzel spielt vorerst auf Zeitgewinn und findet damit vereinzelt auch Verständnis. "Die TUI dürfte eine Verbesserung in der Schiffahrt abwarten und dann ihre Konzernstruktur überdenken", sagt Analyst Hellgren voraus. Die wenigen bedeutenden Großaktionäre - spanische Geschäftspartner und die Pariser Versicherung Axa - machen bisher zumindest öffentlich noch keinen Druck. Nicht auszuschließen ist nach Ansicht mancher Analysten allerdings, daß sich in absehbarer Zeit Investoren für eine feindliche Übernahme zusammenfinden, um den Konzern anschließend radikal zu sanieren und zu zerschlagen. Es ist nicht sicher, daß Frenzel seinen Kurs der behutsamen Veränderung fortsetzen kann. Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.08.2006, Nr. 34 / Seite 31 |
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