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Rewe Caparros löst Egner ab
Nach zahlreichen Wechseln an der Spitze erhält Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler abermals einen neuen Vorstandssprecher. Der Aufsichtsrat der Rewe-Gruppe hat am Freitag Alain Caparros als Nachfolger von Achim Egner berufen. Der ehemalige Debitel-Manager Egner war erst im April letzten Jahres als Vorstandssprecher an die Spitze der Rewe gerückt. Am Freitag waren die Aufsichtsgremien von Rewe zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen, um über die sich zuspitzenden Auseinandersetzungen im Führungsgremium zu beraten. Wie im Anschluß an die Sitzung weiter bekanntgegeben wurde, soll Frank Hensel, bisher Manager bei Rewe-Austria, neu in den Vorstand einziehen und dort das Einkaufsressort verantworten. Ein Unternehmenssprecher kommentierte die Gründe für den Führungswechsel nicht. Kritik am Führungsstil
Wie im Unternehmensumfeld zu hören ist, soll es zuletzt vor allem harsche Kritik am Führungsstil des Managers gegeben haben, der sehr aufs Tempo gedrückt haben soll. Es sei weniger um die grundsätzlichen Inhalte der auf den Weg gebrachten Neustrukturierung der Handelsgruppe gegangen, heißt es. Vielmehr soll der Rewe-Chef in die Ressorts von Vorstandskollegen eingegriffen und sich bei seinen Entscheidungen zur Neuordnung von Einkauf und Vertrieb mehr auf die Meinung externer Berater als auf die erfahrener Führungskräfte gestützt haben. Nach Informationen des Fachblattes Lebensmittelzeitung soll im Vorstandsgremium besonders zwischen Egner und Caparros die Chemie nicht mehr gestimmt haben. Der Franzose Caparros ist für das Auslandsgeschäft der Rewe-Gruppe sowie die Bereiche Discount (Penny) und Cash & Carry zuständig. Leitende Manager haben sich zuletzt an Aufsichtsratschef Klaus Burghard gewandt, um eine Klärung der verfahrenen Situation herbeizuführen, heißt es in Unternehmenskreisen. Egner wollte Rewe-Gruppe auf Ertrag trimmen Der branchenfremde Quereinsteiger Egner hat dem Handelskonzern (gut 42 Milliarden Euro Umsatz) kurz nach seinem Amtsantritt ein ehrgeiziges Programm zu einer grundlegenden Neupositionierung verordnet. Damit mußte er sich zunächst gegen starke Vorbehalte und Widerstände aus dem Lager der Genossen durchsetzen, erhielt aber die nötige Rückendeckung von seinem Aufsichtsratsvorsitzenden. Der promovierte Jurist ist mit dem Ziel angetreten, die genossenschaftliche Rewe-Gruppe auf Ertrag zu trimmen, die Vorsteuerrendite von zuletzt 1,5 Prozent signifikant zu erhöhen und den Abstand im Ergebnis zu den großen internationalen Handelskonzernen zu verkürzen. Einheitliche Dachmarke Wesentlicher Bestandteil seines im Januar noch in vermeintlicher Harmonie mit dem übrigen Vorstand vorgestellten Programms ist die Umstellung sämtlicher fast 3.000 Supermärkte auf die einheitliche Dachmarke Rewe, die bisher nur von den selbständigen Rewe-Händlern genutzt wurde. Die Einführung der Einheitsmarke ist nach dem bisherigen Fahrplan für Ende September geplant. Supermarkt-Marken wie Minimal oder HL werden dann aus dem Straßenbild verschwinden. Weitere Eckpunkte des Programms sind neben der beschleunigten Internationalisierung die Straffung von Einkauf und Vertrieb sowie die Zusammenlegung von regionalen Niederlassungen. Die Strukturreform, die auch dem Abbau logistischer Überlappungen dient, sollte nach den Vorstellungen Egners ab 2007 Einsparungen in einem dreistelligen Millionenbetrag bringen. Weichen richtig gestellt An der grundsätzlichen Neuausrichtung soll sich nichts ändern, hieß es gestern. An den Reformschritten werde festgehalten. Die Weichen für die Zukunft des Konzerns seien vom Management richtig gestellt worden, wie die zwischenzeitlich erzielten Erfolge zeigten, verlautete aus der Rewe-Zentrale. Mit dem neuen Vorstandsmitglied Hensel, der als erfahrener Rewe-Manager das Einkaufsressort übernimmt, rücken jetzt bei der Umsetzung der Strategie zusätzliche Prioritäten im Warengeschäft in den Vordergrund. Beim drittgrößten Lebensmittelhändler Europas hat es in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen ständigen Wechsel an der Spitze gegeben. Nach dem etwas verfrühten Ausscheiden von Hans Reischl, der die Gruppe 27 Jahre maßgeblich geprägt hatte, rückte für ein fünfmonatiges Interregnum Ernst Dieter Berninghaus zum Rewe-Chef auf. Nachdem dieser Ärger mit dem Gesetz bekam, übernahm ein Vorstandstrio bestehend aus Josef Sanktjohanser, Gerd Bruse und Hans Schmitz die Verantwortung. Es wurde wenig später von Egner abgelöst. Bruse und Schmitz verließen das Haus. Berninghaus soll Branchengerüchten zufolge jetzt beim Schweizer Händler Denner unterkommen. Text: B.K. / F.A.Z.Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb
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