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| Gerd Lehmann |
10. August 2006
Das Stühlerücken in der Topetage des Generika-Unternehmens Ratiopharm geht weiter. Am Donnerstag hat Firmenchef und Eigentümer Philipp Daniel Merckle seine bisherige Marketing- und Vertriebschefin vor die Tür gesetzt. „Die Wege der neu gestalteten Ratiopharm und die von Dagmar Siebert haben sich getrennt“, formuliert der Hersteller von Nachahmer-Medikamenten kühl in einer Mitteilung – ohne den Schritt zu begründen und ohne ein Wort des Dankes. Der bislang für den internationalen Vertrieb zuständige Geschäftsführer Gerd Lehmann soll Sieberts Platz einnehmen.
Hauptverantwortlich für Skandal
Der Hintergrund für den Rauswurf ist für Branchenkenner kein Geheimnis. Siebert gilt als eine Hauptverantwortliche für den Ratiopharm-Skandal, der im vergangenen Herbst die Pharmabranche aufrüttelte. Das Ulmer Unternehmen hatte Ärzte und Apotheker systematisch mit großzügigen Zuwendungen und Rabatten geködert. Der strenggläubige Eigentümer Merckle machte seinerzeit deutlich, daß ihm diese Vertriebspraktiken gar nicht gefallen: „Wir befinden uns in der unguten Situation einer Schande“, sagte der 39 Jahre alte Sproß der schwäbischen Milliardärsfamilie damals dieser Zeitung; zuvor hatte er den langjährigen Firmenchef Claudio Albrecht entlassen und selbst das Ruder übernommen.
Schon im Mai entmachtet
Vertriebschefin Siebert blieb damals an Bord, wurde von Merckle jedoch im Mai im Rahmen einer Außendiensttagung weitgehend entmachtet. Im Juni schließlich verließen Produktionschef Heiner Hoppmann und Geschäftsführerin Jutta Schnirring das Unternehmen. Die Wechsel sind vor dem Hintergrund einer zunehmend schärfer werdenden Konkurrenzsituation zu sehen. Die Wettbewerber Hexal und Stada kratzen an der Marktführerschaft Ratiopharms. Merckle zeigt sich dennoch kampfeslustig. Demnächst wollen die Ulmer ein neues Firmenkonzept vorstellen und sich damit „deutlich von der Konkurrenz unterscheiden“.