Festnahme in Pakistan

Frankfurt und Bonn im Visier von Terroristen?

Schily: Sehen Sie das nicht als gesichert an

Schily: Sehen Sie das nicht als gesichert an

10. August 2005 Bundesinnenminister Otto Schily hat nach eigenen Worten bisher keine Bestätigung für Berichte, wonach ein in Pakistan festgenommener Terrorverdächtiger deutsche Stadtpläne auf seinem Computer gespeichert hatte.

Es sei dem Ministerium bekannt, daß in Pakistan eine verdächtige Person festgenommen worden sei, sagte Schily am Mittwoch in Berlin. Was es mit dem Fall auf sich habe, müsse aber erst noch geklärt werden. Schily warnte vor voreiligen Schlüssen. „Sehen Sie das bitte nicht als gesichert an“, sagte er über Medienberichte, nach denen bei dem Verdächtigen unter enderem Stadtpläne von deutschen Städten gefunden wurden.

Deutsche Städte hervorgehoben?

Yousaf besitzt diesen Telefon-Laden in Faisalabad

Yousaf besitzt diesen Telefon-Laden in Faisalabad

Aus Kreisen des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA hieß es zuvor in Washington, daß Berlin, Frankfurt und Bonn auf den sichergestellten Landkarten des Festgenommenen besonders gekennzeichnet waren.

Der Pakistaner, dessen Name mit Osama Bin Yousaf angegeben wird, war am Sonntag abend von pakistanischen Sicherheitskräften im ostpakistanischen Faisalabad festgenommen worden. Ein Sprecher des Bundesnachrichtendienstes sagte in Berlin, daß der deutsche Dienst bisher weder über die Festnahme noch über die Person oder über die Städtenamen Erkenntnisse habe.

„Hochkarätige Institutionen“ in Bonn

Ein Vertreter des CIA sagte auf die Frage, was es zu bedeuten habe, daß auch Bonn „markiert“ worden sei, möglicherweise werde die Stadt von den Terroristen „noch mit als Bundeshauptstadt“ betrachtet. Schließlich gebe es in der Bundesstadt Bonn eine erhebliche Anzahl von Ministerien und „hochkarätigen Institutionen“.

Frankfurt am Main wurde als Bankenzentrale schon mehrfach als mögliches Ziel islamistischer Anschläge genannt. (Siehe auch: Frankfurt: 1.700 mögliche Ziele für Terroristen) Allerdings betonte der CIA-Mann ausdrücklich, nach der Einschätzung des amerikanischen Geheimdienstes handle es sich bei den sichergestellten Karten „offenbar nicht um aktuelle Unterlagen“. Letzte Gewißheit gebe es bisher aber nicht.

Maschinenpistolen und Granaten gefunden

Der pakistanische Geheimdienst war Bin Yousaf angeblich durch das Abhören seines Mobiltelefons auf die Spur gekommen. Nach den vorliegenden Informationen war seine Nummer bei dem Anfang Mai festgenommenen Libyer Abu Farraj Al Libbi entdeckt worden. Von den westlichen Geheimdiensten wird er dem Kern des Terrornetzes Al Qaida zugerechnet. Er gilt als Nummer drei in der Hierarchie der Al Qaida. Der Libyer war im Juni an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden. An seiner Festnahme in Pakistan hatte auch die CIA mitgewirkt.

Der 36 Jahre alte Bin Yousaf soll nach Berichten der pakistanischen Zeitung „Daily Times“ an der Seite der Taliban gekämpft haben. Er sei 1993 im Kampf verwundet worden und nach Pakistan zurückgekehrt. 1995 sei er wieder nach Afghanistan gereist und dort Al-Qaida-Anführern vorgestellt worden.

Neben den Landkarten waren nach Informationen „Daily Times“ auch Maschinenpistolen, Munition, Granaten, Kreditkarten, ein Computer und CDs beschlagnahmt worden. Er hatte nach den Informationen der Geheimdienste am Samstag länger mit Stellen, die bislang nicht bekannt sind, in Deutschland telefoniert. (Siehe auch: Pakistan: Terrorverdächtiger mit deutschen Stadtplänen gefaßt)

Verdächtiger gesteht Al-Qaida-Mitgliedschaft

Ähnliche Telefonate habe es am Donnerstag mit „Partnern“ in Großbritannien und am Freitag in Italien gegeben, war zu erfahren. Die „Daily Times“ gab an, Yousaf habe gegenüber dem pakistanischen Geheimdienst zugegeben, Mitglied der Al Qaida zu sein. Der pakistanische Informationsminister Sheikh Rashid Ahmad bestätigte die Festnahme, sagte aber, es handele sich um einen unbedeutenden Angehörigen einer Extremistenorganisation.

In Washington erläuterte der CIA-Angehörige, daß Bin Yousaf nach ersten Recherchen nichts mit den jüngsten Terroranschlägen in London zu tun hatte. Drei der vier Attentäter der Anschläge in London vom 7. Juli waren Pakistaner.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte nach den Anschlägen abermals angeordnet, hart gegen muslimische Extremisten im Land vorzugehen. Mehr als 600 mutmaßliche Extremisten waren anschließend festgenommen worden. Die Regierung in Islamabad hat allerdings stets betont, die Festnahmen stünden in keinem Zusammenhang mit den Londoner Attentaten.

Text: FAZ.NET mit Material der ddp/Reuters/dpa
Bildmaterial: AP, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche