30. Juni 2007 Bei Luftangriffen des Anti-Terror-Einsatzes in Südafghanistan sind nach Angaben der örtlichen Behörden neben 62 Aufständischen auch 45 einfache Bewohner getötet worden. Der Bürgermeister der umkämpften Ortschaft Hyderabad, Dur Ali Schah, und Polizeichef Mohammad Hussein Andewal sagten am Sonntag, diese Zahlen seien von Ermittlern geprüft worden. Die von den Vereinigten Staaten geführten Truppen der Operation Enduring Freedom (OEF) räumten zivile Opfer ein, nannten aber keine Zahlen.
Ein Sprecher der Afghanistan-Schutztruppe ISAF, John Thomas, sagte, man habe keine eigenen Informationen über eine so hohe Zahl ziviler Opfer. Nato-Truppen würden nicht auf Stellungen schießen, wenn sie wüssten, dass Zivilpersonen in der Nähe seien. Die feindlichen Kämpfer dagegen hielten sich nicht an diese Regel.
Unter den Dorfbewohnern versteckt
Die Luftangriffe in der Provinz Helmand am Freitagabend galten nach amerikanischen Angaben mutmaßlichen Taliban-Kämpfern, die afghanische und ausländische Soldaten angegriffen hatten. Die Kämpfer flohen dann nach Hyderabad, wie der örtliche Polizeichef erklärte. Am Samstag seien viele Tote beerdigt worden, sagte ein Einwohner.
Militärsprecher Chris Belcher erklärte, die Truppen hätten allem Anschein nach eindeutig auf Positionen gezielt, von denen aus Angriffe gestartet worden seien. An solchen Orten seien jedoch auch Leichen von Menschen gefunden worden, bei denen es sich offenbar um Zivilisten gehandelt habe. Belcher warf den Taliban vor, sich unter den Dorfbewohnern versteckt zu haben.
2800 Menschenleben seit Jahresbeginn
Unterdessen griffen mutmaßliche Taliban-Kämpfer in der Nähe der Ortschaft Kaleh-e-Gas im Süden des Landes OEF-Truppen an und töteten einen britischen Soldaten. Das teilte das britische Verteidigungsministerium in London mit.
Die Kämpfe haben in Afghanistan nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP seit Jahresbeginn mehr als 2800 Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Vereinten Nationen und Menschenrechtsgruppen liegt die Zahl der zivilen Opfer bisher höher als die der getöteten Aufständischen.
Struck für weitere Bundeswehr-Beteiligung
In der südlichen Provinz Sabul wurden am Freitag drei Kinder beim Spielen mit einer alten Rakete getötet. Ein weiteres Kind wurde nach Polizeiangaben verletzt. Raketenangriffen in der Provinz Kunar fielen nach Behördenangaben fünf Zivilpersonen zum Opfer, darunter Frauen und Kinder. In der Provinz Kandahar kamen zwei mutmaßliche Taliban-Rebellen ums Leben, als sie am Freitag versuchten, an einer Hauptstraße eine Bombe zu legen. Bei Kämpfen in der Provinz Helmand wurden Behördenangaben zufolge 15 Taliban getötet.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sprach sich dafür aus, die Bundeswehr weiter an dem umstrittenen Antiterror-Einsatz der Operation Enduring Freedom zu beteiligen. Wir können uns nicht einfach rausschleichen, sagte Struck am Sonntag im Deutschlandfunk. Er räumte ein, dass es in seiner Partei Debatten über die Fortsetzung gebe. Für den ISAF-Einsatz zum Schutz des Wiederaufbaus gelte aber: Es gibt niemanden, der ernsthaft den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan verlangt.
Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: AP