
Obwohl ich Wolgang Sofsky in der generallen Aussage zustimme, scheint er leider (wenigstens nach Interview-Anschein) keine Ahnung von der angelsaechsischen Welt zu haben, die er hier so lobend hervorhebt. Die Briten leben inzwischen in einem gerade zu Orwellschen Ueberwachungsstaat, und Schutz der Privatsphaere vor staatlicher Schnueffelei ist in den USA auch weitgehend abhanden gekommen. Deustchland ist im Unterschied geradezu ein Musterland an Datenschutz. Deshalb machen auch seine historisch-philosophischen Ableitungen (hier Staatsglaeubigkeit, dort 'Freiheit') keinen Sinn. Vielleicht sollte er seine Erlaeuterungen einfach mal ab und zu mal mit der Realitaet abgleichen.

Ganz großer Journalismus, dieses Interview!
Es scheint tatsächlich Millionen von Leuten zu geben, die glauben, gegen Terror können man sich durch mehr Überwachung schützen. Das ist Quatsch.
Terror kann man nur in Würde ertragen, da hat der Kabarettist Pispers recht.
Eine ganz andere Bedrohung der Freiheit sehe ich durch Leute, die für jede alltägliche Handlung erst ihre "heiligen" Bücher zu Rate ziehen müssen.

Die Überschrift ist richtig. Aber die Aufgaben sind vielfälltig, die auf keinen Fall ohne den bewusten Bürger zu erledigen sind! Aber das größte Problem ist die Unerfahrenheit so vieler Bürger, und das nicht nur junge Leute. Nach dem ersten Anschlag in New York, Madrid und London denken die Menschen anders und sind Wachsamer. Wieviele Anschläge in New York durch die Aufmerksamkeit der Bürger, verhindert wurden, kann man nicht sagen, in London weiß man es von zwei. Man kann durchaus Anschläge verhindern, es ist nicht immer Glück! Totale Sicherheit ist nicht möglich, aber bis zu einem hohen Grad ist sie möglich! Die Tatsache, dass in den USA seit Jahren kein Anschlag gelang, zeigt, dass demokratische Regierungen sehr wohl in der Lage sind Sicherheit zu gewähren - ohne die FREIHEIT abzuschaffen! Das liegt aber daran, dass wir tatsächlich kein antitoalitäres Bewusstsein haben. ALLERDINGS haben wir ein antiautoriäts Bewusstsein. Aber dieses Bewusstsein schafft noch kein Freiheits-Wille, wie man den in den USA - ich erwähne die USA wieder, auch wenn das vielen nicht gefällt - und GB kennt. Natürlich gibt es den auch in anderen Länder. Das schlimmste ist tatsächlich, dass man nicht auf links und rechts in Deutschland aufpasst!

Lieber Herr Wendt
sie, als Philosoph, scheinen etwas aus der Übung zu sein. Satres Annahme der Nichtexistenz Gottes ist genauso vernüftig, wie die Annahme seiner Existenz. Genauer gesagt, ist beides weder vernünftig, noch widervernüftig. Denn - wie sie bereits sagten - es ist nicht möglich, seine Existenz vernünftig zu beweisen - folglich auch nicht möglich, seine Nichtexistenz zu beweisen. Was der Jean Paul also gemacht hat, ist nichts anderes als das Negativ zu jenem, was z.B. der Herr Kant (oder auch der Herr Hegel) gemacht hat: Sie gehen alle von einem Fall aus. Sie machen sowas wie eine transzendentale Setzung und der eine sagt dabei: "Angenommen, es gibt ihn, dann...", der andere sagt: "Angenommen, es gibt ihn nicht, dann...". Das ist aber weder vernünftig, noch unvernünftig.
Dem Problem des Artikels/Interviews ist aus philosophischer Sicht natürlich nicht beizukommen. Das ist Aufgabe der Politik, der politischen Öffentlichkeit und eben vorallem des Bürgers. Es geht ja eben gerade ums Handeln (Praxis) und nicht ums gehemmt weltbetrachtende Nicht-Handeln (Theorie) - ums Handeln in kronkreten und nicht überzeitlichen Problemen...im Hier und Jetzt.
Freundlichst.

Endlich mal einer, der in diesem Gegacker des medialen Hühnerhaufens den Kopf oben behält. Bedrohung durch Terror! Na und! So sprach das britische Oberhaus, als Blair allzuviele, die persönliche Freiheit einschränkende Gesetze vorschlug und kassierte sein Vor- und Versorgungspaket. 450 Jahre Rechtsgeschichte, common law genannt, das ist die britische Tradition der bürgerlichen Gesellschaft. Da braucht es mehr als ein paar Bomben, um die auszuhebeln.
Leider gibt es keine Tradition eines anarchisch libertinären (Handels-) Bürgertums in Deutschland. Die Ansätze dazu wurden in Strömen von Blut durch die katholischen Habsburger ertränkt. Deutschland war Agrarland und auf Handel - anders als GB - nicht angewiesen. Es war der freie Seehandel, der den angelsächsische Typus des Bürgers, den Henry Thoreau verkörperte, hervorgebracht hat. Nicht kopierbar - leider. Freiheit ist in Deutschland Abwesenheit von Not. Daher das Fürsorgedenken mit all seinen katastrophalen Folgen für die persönliche Freiheit. Die Deutschen, die anders waren, sind längst ausgewandert. In die USA...

Da kann man nur zustimmen - nicht aus Nachlässigkeit oder unangebrachter Sorglosigkeit sondern weil verschiedene Güter gegeneinander abzuwägen sind.
Ein Gegenargument wäre zwar, wenn dann wirklich etwas passieren würde, wäre das Geschrei dann groß und der Ruf nach mehr Kontrolle laut.
Aber gerade gezieltem Terror kommt man am wenigsten bei - wie man am 11.09. sieht war in der in Überwachungsdingen restriktivere USA nicht in der Lage, auch nur einen Deut zu verhindern - im Gegenteil, vorliegenden Hinweise wurden übersehen.....
Sicher hat es Placeboeffekte, wenn überall Kameras hängen und auf PCs zurückgegriffen werden kann, aber die gefühlte Sicherheit kann man auch anders herstellen.

Wolfgang Sofsky spricht mir aus meiner teifsten Seele.
Karl Hoffmann, Offenbach

so brachte es J.P.Sartre auf den Punkt. Hoffnung habe ich schon, weil Staat immer mehr versagen muß.
Was nicht bezahlbar ist, wird nicht bezahlt werden können, oder es kommt zur Katastrophe der Staatsordnung.
Die Indianer sagen, wenn Dein Pferd tod ist, steig ab. Viele der klügsten Deutschlands verlassen in Ihrere Freiheit des Handelns Deutschland für immer, wandern aus. Jährlich offiziell 150.000, innofiziell 250.000 Personen. Welche Stadt Deutschlands hat soviele Einwohner?

Vernunft und Politik scheinen sich leider auszuschließen. Momentan wird leider nach US-Vorbild die Angst geschürt um die Macht zu steigern. Es ist zu hoffen daß die kluge Analyse des Herrn Sofsky noch vielen die Augen öffnet.

Die besonnene und vernünftige Sichtweise von Herrn Sofsky spricht mir aus der Seele.
Er hat absolut Recht wenn er darauf hinweist, daß die Überwachungsmaßnahmen nicht Terror verhindern werden, sondern nur unsere Freiheit einschränken. Überwachungspolitik macht uns mehr zu Opfern als mögliche Terroranschläge und dies nicht nur einmalig sondern Tag für Tag.
Ein paar wichtige Autoren zu Freiheit gibt es allerdings auch in Deutschland. Allerdings werden sie tatsächlich nicht als solche rezipiert.
Als Beispiel mag Schiller dienen, der unter dem Eindruck der französischen Revolution (bevor Robespierre überhaut der Macht nah war) darauf hingewiesen hat, daß die Voraussetzung für eine Herrschaft des Volkes zunächst die i n n e r e Freiheit des Einzelnen sei.
Davon sind wir leider auch heute noch weit entfernt. Wahrscheinlich ist es nicht mal pessimistiscch sondern realistisch anzunehmen, daß alle Individuen einer Gesellschaft diese Freiheit von Angst und Sehnsucht nach Fremdbestimmung gepaart mit der nötigen Intelligenz nie erreichen werden.

und herzliche Grüße an Wolfgang, meinen ehemaligen Kommilitonen, der so gern 'Dampnudele gesse' hat.
Reinhardt Diehl.

Ein meiner Meinung nach sehr aufschlußreiches Interview.
Ein Grund, wieso ich immer wieder faz.net lese, ist, dass trotz einiger Artikel und Kommentare, die mich auf die Palme treiben, die faz.net-Redaktion oft eine Balance und Ausgewogenheit erreicht, die andere On- und Offlinepublikationen missen lassen.