11. August 2005 Die britische Polizei hat offenbar den mutmaßlichen geistlichen Anführer Al Qaidas in Europa festgenommen.
Der Anwalt des gebürtigen Jordaniers Abu Katada erklärte am Donnerstag, sein Mandant sei einer von zehn in Großbritannien festgenommenen Ausländern, die nach offizieller Darstellung eine Gefahr für die nationale Sicherheit Großbritanniens darstellen und ausgewiesen werden sollen. Die britische Regierung bezeichnete Katada als einen höchstgefährlichen muslimischen Extremisten, der im Zentrum von Terror-Taten Al Qaidas in Großbritannien stehe. Die spanische Staatsanwaltschaft nannte den 44 Jahre alten Mann den geistlichen Führer der Extremisten-Gruppe in Europa.
Asyl mit gefälschtem Paß
In einer Hamburger Wohnung, in der drei der Attentäter vom 11. September 2001 gelebt haben sollen, fanden Fahnder nach früheren britischen Angaben Videos mit Predigten des Geistlichen. Er lebt seit 1993 in Großbritannien. Katada reiste damals mit einem gefälschten Paß der Vereinigten Arabischen Emirate ein und verlangte Asyl für sich, seine Frau und drei Kinder. Er wurde 1998 in Jordanien wegen der Beteiligung an Terror-Anschlägen in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Verdächtigen, die von der Polizei in der Hauptstadt und anderen Landesteilen in Gewahrsam genommen wurden, stammen nach Informationen des britischen Senders BBC aus Libanon, Algerien und Jordanien. Innenminister Charles Clarke sagte: Die Gegebenheiten unserer nationalen Sicherheit haben sich verändert, deshalb ist es unerläßlich, gegen diejenigen vorzugehen, die sie bedrohen.
Briten schließen Abschiebe-Abkommen
Premierminister Tony Blair hatte in der vergangenen Woche angekündigt, nach den Terroranschlägen von London religiöse Extremisten und Haßprediger rigoros auszuweisen. Bei den von muslimischen Extremisten verübten Selbstmordanschlägen waren am 7. Juli in drei U-Bahnen und einem Bus 56 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.
Clarke sagte weiter, nach Monaten diplomatischer Gespräche glaube er, nun die notwendigen Zusicherungen derjenigen Länder zu bekommen, in die die Abschiebehäftlinge zurückkehren werden, damit sie dort nicht gefoltert oder mißhandelt werden. Mit Jordanien sei tags zuvor ein solches Abkommen bereits getroffen worden. Nach geltendem Recht kann Großbritannien niemanden in ein Land abschieben, wo ihm Verfolgung droht.
Die Menschenrechtsorganisationen Liberty und Amnesty International kritisierten die geplanten Abschiebungen. Liberty-Direktorin Shami Chakrabarti sagte, sie sei keinesfalls sicher, daß sich despotische Regime an solche Vereinbarungen hielten. Es braucht mehr als ein Stück Papier, um mich davon zu überzeugen, daß Jordanien und diese anderen Regimes in Nordafrika und dem Nahen Osten plötzlich sicher (für die Abgeschobenen) sind, sagte sie.
Text: FAZ.NET mit Berichten von Reuters, dpa
Bildmaterial: AP