21. April 2007 Eine Bedrohung durch Islamisten ist der Hintergrund für die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen an amerikanischen Einrichtungen in Deutschland. Es gehe im Zusammenhang mit der Terrorwarnung um eine
islamistische Dimension, bestätigte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Samstag der Nachrichtenagentur DPA. Über weitere Hintergründe und über verdächtigte Personen wolle er nicht spekulieren.
Die amerikanischen Botschaft in Berlin hatte eine Sicherheitswarnung an Amerikaner in Deutschland herausgegeben. Die diplomatischen und konsularischen Einrichtungen der Vereinigten Staaten in Deutschland verstärken ihre Sicherheitsmaßnahmen, teilte die Botschaft am Freitag mit. Wir unternehmen diese Schritte als Reaktion auf eine erhöhte Bedrohungslage.
Die Botschaft empfahl Amerikanern in Deutschland, ihre Wachsamkeit zu verstärken und angemessene Schritte zur Erhöhung ihrer persönlichen Sicherheit zu unternehmen. Während sich die diplomatische Vertretung in Berlin auf deutsche Informationen unter anderem mit Hinweis auf das Bundeskriminalamt bezog, erklärte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU): Wir teilen die Einschätzung der Amerikaner. Die Gefährdungslage für amerikanische Einrichtungen in Deutschland habe sich in diesem konkreten Fall erhöht, sagte er in Luxemburg.
Konkrete Anschlagswarnung?
Schäuble hatte in jüngster Vergangenheit immer wieder vor Bedrohung durch Islamisten gewarnt. Das Bundesinnenministerium teilte ferner mit, die deutschen Sicherheitsbehörden teilten die amerikanische Sorge und arbeiteten bereits seit längerer Zeit eng mit der amerikanischen Seite zusammen, um alle geeigneten Maßnahmen in diesem Zusammenhang sicherzustellen. Auf eine konkrete Anschlagswarnung deutete auch ein Hinweis der amerikanischen Botschaft auf tägliche Lagebewertungen hin.
Eine Sprecherin vermied zwar, von einer konkreten Bedrohung oder Anschlagswarnung zu sprechen. Sie verwies aber auf die Feststellungen deutscher Behörden, darunter des Bundeskriminalamts (BKA) im März, Deutschland sei mit einer erhöhten Terrorgefahr konfrontiert. Die Regierungsstellen der Vereinigten Staaten bewerten täglich ihre Sicherheitsmaßnahmen angesichts von Informationen, die im Zusammenhang mit dieser erhöhten Bedrohung stehen, sagte die Sprecherin.
Abstrakte Gefährdung
Das BKA hatte angesichts islamistischer Drohvideos und des Einsatzes von Tornado-Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan von einer weiter erhöhten abstrakten Gefährdung gesprochen.
Das amerikanische Außenministerium ist nach Angaben der Botschaft weiterhin besorgt über die anhaltende Bedrohung seiner Landsleute in Übersee. Aktuelle Informationen wiesen darauf hin, dass Al Qaida weite Angriffe plane. Die Bedrohung sei vielgestaltig und schließe Mord, Entführung, Flugzeugentführungen und Bombenattentate ein. Aktuelle Informationen deuten angeblich daraufhin, dass das Terrornetz und angeschlossene Organisationen Angriffe auf amerikanische Einrichtungen in zahlreichen Regionen - darunter Europa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten - planten.
Islamistische Drohvideos
Der Tagesspiegel berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, Islamisten aus dem Umfeld der irakischen Terrorgruppe Ansar al-Sunna planten Anschläge. Mutmaßliche Anhänger der Gruppe sollten versucht haben, amerikanische Einrichtungen in Süddeutschland auszuspähen. Die amerikanischen Geheimdienste verfügten auch über Informationen aus dem Irak, wonach Anschläge in Deutschland geplant seien.
Ansar al-Sunna, hervorgegangen aus der Terrorgruppe Ansar al-Islam, gelte als eine der gefährlichsten Terrorgruppen weltweit und sei für mehrere tausend Anschläge im Irak verantwortlich.
Text: FAZ.NET mit löw./AFP
Bildmaterial: ddp