Von Michael Ludwig, Moskau
05. September 2007 Längere Zeit war von der Islamischen Dschihad-Union nichts zu hören. Erst im Sommer 2007 wurde aus Zentralasien berichtet, dass sie wieder aktiv sei. Die Gruppe soll sich 2002 von der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) abgespalten haben.
Einer der Anführer soll den Namen Ebu Yahaya Muhammed Fatih tragen. Obwohl usbekischen Ursprungs, hat die Organisation ihre Aktivitäten zunehmend nach Pakistan verlegt. Von den Amerikanern und den meisten Beobachtern wird die Dschihad-Union mit Anschlägen auf die amerikanische und die israelische Botschaft in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, das Büro des usbekischen Generalstaatsanwalts sowie mit Anschlägen in Buchara im Jahr 2004 in Verbindung gebracht, bei denen 47 Menschen umkamen.
Allerdings bezichtigte sich eine Organisation dieser Verbrechen, die sich Gruppe des Islamischen Dschihad nannte, aber auch als Jamaat (Gemeinschaft) der Mudschahedin auftrat. Diese Art von Namenswechseln sind laut Fachleuten in der internationalen Terrorszene üblich.
Das Pulverfass Zentralasiens
Wesentlich bekannter war bislang die Islamische Bewegung Usbekistans (IBU). Der IBU waren Gewalttaten und Rauschgifthandel nachzuweisen. Unter ihrem militärischen Führer Juma Namangani gehörte sie zu den mit den Taliban kooperierenden Dschihad-Organisationen. Die Wurzeln der IBU, mithin also auch der Dschihad-Union, liegen in den dissidenten Islambewegungen des Ferghanatals, das zwischen Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan aufgeteilt ist und als das Pulverfass Zentralasiens gilt.
Zu Beginn der neunziger Jahre gingen die Islambewegungen im Ferghanatal auf Konfrontationskurs zur usbekischen Regierung. Die staatlichen Gegenaktionen gegen alle nicht sanktionierten Erscheinungen islamischer Wiedergeburt veranlasste die usbekischen Islam-Aktivisten dann zur Flucht nach Tadschikistan und Afghanistan. Dort entstand die IBU, und dort wurde der Heilige Krieg gegen das Taschkenter Regime ausgerufen.
Im Spätsommer 1999 und im Jahr 2000 drangen mehrere hundert Kämpfer der IBU nach Kirgistan ein und besetzten Dörfer, um Rauschgiftrouten zu sichern. Erst das Militär konnte sie zurückschlagen. Im Herbst 2001 wurde die militärische Struktur der IBU in Nordafghanistan von den Amerikanern weitgehend zerschlagen und Namangani getötet. Die Überlebenden der IBU zogen sich unter ihrem Anführer Tohir Yuldoshev nach Pakistan in die Region von Süd-Waziristan zurück und sollen dort die Gruppe Islamische Bewegung von Turkestan gebildet haben, die den Dschihad in Zentralasien und in Afghanistan auf ihr Banner geschrieben hat. Angeblich soll es im April 2007 in Süd-Waziristan zu Kämpfen zwischen pakistanischem Militär und bewaffneten Usbeken gekommen sein.
Text: AP
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
