Vereitelte Terroranschläge

Schlüsselfigur soll Al-Qaida-Mitglied sein

Noch immer werden die Wohnungen Verdächtiger durchsucht

Noch immer werden die Wohnungen Verdächtiger durchsucht

12. August 2006 Der mutmaßliche Drahtzieher der vereitelten Anschläge auf Transatlantikflüge war vor seiner Festnahme bereits länger im Visier der Ermittler. Telefongespräche und E-Mails des britischen Staatsbürgers Rashid Rauf seien schon über einen längeren Zeitraum überwacht worden, sagte ein pakistanischer Sicherheitsvertreter am Samstag.

Die pakistanischen Behörden seien von Großbritannien darauf hingewiesen worden, daß sich Rauf in Pakistan aufhalte. Die Erkenntnisse aus den Telefonaten und E-Mails hätten bei der Aufdeckung der Anschlagspläne geholfen. Unklar war zunächst, wie lange Rauf bereits überwacht wurde. Pakistan hatte am Freitag die Verhaftung Raufs bekannt gegeben. Es soll die Schlüsselfigur hinter den vereitelten Anschlägen sein, denen mehrere tausend Menschen hätten zum Opfer fallen können. Nach pakistanischen Angaben ist Rauf Mitglied der Extremisten-Organisation Al Qaida.

In Pakistan wurden Geheimdienstangaben zufolge zuletzt vier weitere Verdächtige in Zusammenhang mit den Anschlagsplänen festgenommen. Damit stieg die Zahl der in Pakistan gefaßten Verdächtigen auf elf, darunter zwei Briten. Die britische Polizei hatte am Donnerstag 24 Personen festgenommen, die im Verdacht stehen, mit Flüssigsprengstoff Anschläge auf Passagiermaschinen mit Ziel Vereinigte Staaten geplant zu haben. Einer der Verdächtigen wurde inzwischen ohne Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Verbindungen nach Deutschland

Die mutmaßlichen Flugzeug-Attentäter von London hatten nach Erkenntnissen der Bundesregierung Verbindungen nach Deutschland. „Offenbar gab es einige Kontakte der mutmaßlichen Attentäter nach Deutschland, diese Kontakte überprüfen wir“, sagte Innenstaatssekretär August Hanning der „Bild am Sonntag“ laut Vorabbericht vom Samstag. Deutschland sei jedoch von den Anschlagsplanungen nicht unmittelbar betroffen. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete, einer der in England Festgenommenen habe Kontakt zum Umfeld der Hamburger Attentäter vom 11. September 2001 gehabt. Nach den damaligen Attentaten hatte sich herausgestellt, daß etliche der Schlüsselpersonen in Deutschland studiert und in Hamburg zusammen in einer Wohngemeinschaft gelebt hatten.

Kritik des bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) an den britischen Sicherheitsbehörden wies Hanning zurück. „Wenn durchgesickert wäre, daß diese Verdächtigen seit einiger Zeit beobachtet wurden, wäre es möglich gewesen, daß sie sich der Beobachtung entziehen und ihre Anschläge gleichwohl ausführen hätten können“, sagte er dem Deutschlandradio Kultur. Beckstein hatte in der „Welt am Sonntag“ kritisiert, daß die Briten viele Informationen zu lange zurückhielten. Die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa sei noch erheblich verbesserungswürdig, bemängelte er.

Gesetzentwurf über Anti-Terror-Datei

Zur neu entbrannten Debatte über die geplante gemeinsame Anti-Terror-Datei von Polizei und Geheimdiensten in Deutschland sagte Hanning, dazu liege im Innenministerium ein Gesetzentwurf vor. „Wir hoffen, daß er noch im Herbst vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden kann“, kündigte Hanning an. Die Zeitung „Die Welt“ berichtete unter Berufung auf den Gesetzentwurf, die Datei solle Angaben über terroristische Vereinigungen, Stiftungen und Unternehmen mit Verbindungen in die islamistische Szene enthalten.

Erfaßt werden sollten persönliche Daten von Verdächtigen, ihre Bank-, Telefon- und Internetverbindungen, Führerscheindaten, Anschriften und Kontaktpersonen. Außerdem sollten von den Verdächtigen genutzte Fahrzeuge, besuchte Orte und Qualifikationen wie „Chemiker“ oder „Kampfsportler“ registriert werden. Informationen ausländischer Geheimdienste sollten aus Gründen des Quellenschutzes verdeckt eingestellt und mit einer Verwendungsbeschränkung versehen werden. Die Datenbank solle beim Bundeskriminalamt geführt werden. Ermittler rechneten mit mehreren tausend Einträgen.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: AP

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