Indien

Dutzende Tote bei Bombenserie in Touristenmetropole

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14. Mai 2008 Beim ersten schweren Terrorangriff in der nordwestindischen Touristenmetropole Jaipur sind am Dienstagabend mehr als 80 Menschen getötet worden. 200 weitere Menschen seien bei der Bombenserie verletzt worden, sagte die Ministerpräsidentin des Bundesstaats Rajasthan, Vasundhara Raje, der Nachrichtenagentur PTI.

Insgesamt acht Bomben seien innerhalb von zwölf Minuten auf belebten Märkten und in der Nähe eines Hindu-Tempels im Zentrum der Hauptstadt Rajasthans detoniert, hieß es weiter. An den jeweils nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegenden Tatorten sei Panik ausgebrochen.

Die Polizei befragt nach eigenen Angaben acht Personen zu der Tat, darunter einen Mann, der bei einer der acht Explosionen verletzt wurde. Die Behörden teilten mit, der bei den Anschlägen verwendete Sprengstoff deute darauf hin, dass die Organisation Harkat-ul-Jehadi Islami (HUJI) die Taten begangen habe.

Hintermänner in Bangladesch?

Diese Gruppe wird von den indischen Behörden im benachbarten Bangladesch verortet. Bangladesch liegt aber weit vom Anschlagsort entfernt, der Hauptstadt des Bundesstaates Rajastan an der Grenze zu Pakistan. In einigen Quellen ist daher von einer Gruppe aus Pakistan die Rede. Das muss kein Widerspruch sein, denn seit einiger Zeit beobachten die indischen Behörden, dass Terrorgruppen aus Pakistan Ableger in Bangladesch bilden. Das Einsickern nach Indien sei über die östliche Grenze viel einfacher als über die stark bewachte Grenze zu Pakistan, heißt es. Bangladesch gelte den Islamisten als relativ sicheres Hinterland.

Die Regierung in Dhaka versucht die Gruppen zu bekämpfen, hat damit aber große Schwierigkeiten. Auch in Bangladesch hat es in den vergangenen Jahre einige blutige Anschläge gegeben. Ihren Ursprung hat die jetzt verdächtigte Gruppe HUJI - wie viele andere islamistische Terrororganisationen - im Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan. Später agierte sie auch in der zwischen Indien und Pakistan umstrittenen Provinz Kaschmir. Ihr werden auch Verbindungen zur bekannteren Gruppe Lashkar-e-Toiba nachgesagt.

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Das politische Ziel der Attentäter könnte es gewesen sein, die indisch-pakistanischen Verhandlungen zu stören, die am Mittwoch kommender Woche fortgesetzt werden sollen. Die indische Regierung teilte jedoch am Mittwoch mit, Außenminister Mukherjee werde dazu wie geplant in die pakistanischen Hauptstadt Islamabad reisen. Inwieweit die Verhandlungen angesichts der Regierungskrise in Pakistan ungestört weitergehen können, ist freilich ohnehin nicht klar.

„Homegrown terrorism“

Als Folge ähnlicher Anschläge ist es in der Vergangenheit in Indien wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Hindus und Muslimen gekommen. In Jaipur explodierten am Dienstagabend Bomben in unmittelbarer Nähe von Tempeln für den Hindu-Gott Hanuman. Falls Auseinandersetzungen zwischen den Religionsgruppen beabsichtigt gewesen sein sollten, haben die Terroristen nach Ansicht von Fachleuten diesmal das „falsche“ Ziel ausgewählt. Zwar verhängten die Behörden in der 260 Kilometer südlich der Hauptstadt Delhi gelegenen Millionenstadt vorsorglich eine Ausgangssperre. Aber Jaipur sei nicht dafür bekannt, dass sich die unterschiedlichen Volksgruppen besonders feindselig gegenüberstehen. Jaipur wird von zahlreichen Touristen besucht, doch waren offenbar keine Ausländer unter den Opfern.

Auch wenn Indien nach den Anschlägen abermals mit dem Finger auf Nachbarstaaten zeigen konnte, hat das Land im Inneren ein offenbar wachsendes Problem. Es gibt viele Programme, die die Benachteiligung von Angehörigen niederer Kasten im Alltag mildern oder beseitigen sollen. Die mehr als 100 Millionen Muslime Indiens werden davon aber kaum erfasst. Wenn sich auch nur ein Bruchteil von diesen radikalisiert, hat Indien in wachsendem Umfang mit dem Phänomen zu kämpfen, das man „homegrown terrorism“ nennt.



Text: pes., F.A.Z.
Bildmaterial: reuters

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