15. März 2008 Terror aus Deutschland: Der Attentäter eines Selbstmordanschlags im Osten Afghanistans soll aus Bayern stammen. Bei dem Mann, der sich am 3. März in die Luft sprengte und zwei amerikanische Soldaten und zwei afghanische Zivilisten mit in den Tod riss, soll es sich um den aus Ansbach stammenden Türken Cüneyt C. handeln, wie mehrere Medien am Wochenende berichteten. C. hatte Kontakt zu der Sauerländer Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU). Die IJU bekannte sich demnach im Internet mit Bildern C.s zu der Tat.
Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesanwaltschaft wollten die Berichte vorerst nicht kommentieren. Wir haben dazu noch keine gesicherten Erkenntnisse und müssen das erst noch überprüfen, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft Andreas Christeleit am Samstag. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP ist der Attentäter bisher noch nicht identifiziert, so dass nicht sicher ist, dass es sich tatsächlich um Cüneyt C. handelt.
Terrorplanungen in Deutschland
Bei dem Anschlag in der Provinz Chost war der Attentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto in die Tore eines Regierungsgebäudes gefahren, das von afghanischen und NATO-Soldaten bewacht wurde. Durch die Explosion stürzte ein Wachposten ein und begrub etliche Soldaten unter sich.
Bild-Zeitung, Spiegel und Focus berufen sich bei ihren Berichten auf Sicherheitskreise sowie Angaben der IJU, die sich im Internet mit Fotos C.s zu dem Anschlag bekannt habe. Diese Operation wurde von dem aus Deutschland kommenden ... mutigen Cüneyt C., der sein luxuriöses Leben gegen das Paradies getauscht hat, erfolgreich vervollständigt, zitiert Focus eine Übersetzung des türkischen Textes. Der mit 4,5 Tonnen Sprengstoff gefüllte Kleinlaster vernichtete die Ketzer-Armee.
Im Winter 2006 entstand laut Bundesanwaltschaft eine deutsche Zelle der IJU, die das Ziel hat, Mitglieder in Deutschland zu rekrutieren und auch hier Anschläge zu verüben. Die IJU hatte sich zu den Terrorplanungen in Deutschland bekannt, die im September mit der Festnahme dreier Männer im Sauerland vereitelt worden waren.
Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums, Karl Michael Scheufele, bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass C. Kontakt zu islamistischen Kreisen und zu einem der im Sauerland Festgenommenen gehabt habe. Der türkische Staatsangehörige habe im Raum Ansbach gewohnt und sei im April vergangenen Jahres nach Kündigung seiner Arbeit zusammen mit seiner Familie ausgereist.
Weggefährte der Sauerländer Terrorzelle
Den Berichten zufolge gilt C. den Ermittlern als Weggefährte der Sauerländer Zelle um Adem Y. aus dem hessischen Langen und hatte auch Verbindung zur Ulmer Islamistenszene. Der als Ismail aus Ansbach bekannte C. verließ demnach Deutschland, nachdem er ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten war.
Am 26. April 2007 habe ein IJU-Führer an Y. gemailt, die Familie sei im Lager in den Bergen Waziristans angekommen. Unter dem Namen Saad Ebu Furkan sei er auf einem Propagandafoto der IJU im Internet wieder aufgetaucht.
Laut Spiegel Online konnte auch die amerikanische Armee in Afghanistan den Attentäter bisher nicht identifizieren. Ob es sich bei dem Mann um den jungen Türken aus Deutschland handelt, wissen wir nicht, wird ein Sprecher zitiert. Die deutschen Behörden bemühen sich laut Spiegel Online seit Veröffentlichung des IJU-Bekennerschreibens am 6. März um eine Klärung.
Den Berichten zufolge ist C. der zweite des Sauerländer Kreises, der in der Region starb. Im Oktober 2007 kam demnach bereits der 28-jährige Sadullah K. aus Langen bei einem Angriff der pakistanischen Luftwaffe ums Leben. Er soll sich in einem Lager der IJU aufgehalten haben.
Text: AP
Bildmaterial: dpa
