Von Klaus-Dieter Frankenberger,
08. Juni 2007 Es war eine leidige, aber nicht zu vermeidende Diskussion, die in den vergangenen Jahren geführt wurde: Ist die G 8 noch zeitgemäß angesichts der wirtschaftlichen Stärke und der Bevölkerungsgröße von Ländern wie China und Indien, deren Führer allenfalls einen Termin im Randprogramm bekamen?
Müssten diese Länder aufgrund ihrer weltwirtschaftlichen Bedeutung nicht auch einen festen Platz erhalten (zumal das allenfalls halbdemokratische Russland auch promoviert wurde und europäische Länder an Bedeutung verlieren)?
Diese Diskussion hat sich fürs Erste erledigt: Es wird in Zukunft einen über das Sporadische der Gipfelaudienzen hinausgehenden institutionalisierten Dialog der noch immer so genannten führenden Industrieländer mit jenen Schwellenländern geben, die in den kommenden Jahrzehnten in der Weltwirtschaftsliga weit nach oben steigen werden - das übrigens dank jener Prozesse, die gemeinhin unter Globalisierung zusammengefasst werden.
iese Länder nicht formal in den Kreis der Acht aufzunehmen - und so eben nicht einen UN-Sicherheitsrat light zu simulieren - ist vernünftig, weil es vor Überfrachtung bewahrt und das demokratische Band seiner Mitglieder nicht weiter ausfransen lässt: In China herrscht nun mal ein kommunistisches Regime. Einen dauerhaften Dialog zu beginnen liegt wiederum im Interesse aller Beteiligten; er ist zielgerichtet, nimmt die neuen Partner ernst und die Zukunft nicht vorweg. Und wenn schon über eine politische Steuerung (oder Gestaltung) der Globalisierung und über globale Themen wie Energie und Klima gesprochen werden soll und muss, dann ist der erweiterte G-8-Rahmen nicht der schlechteste Ort.
Diese Partnerschaft steht im krassen Gegensatz zur Rolle Afrikas bei G 8. Afrika - das ist der Caritas-Fall der Weltpolitik schlechthin, nach wie vor und hier und da mehr als je zuvor. Nicht zuletzt deshalb ist so viel von Verantwortung die Rede. Nehmen die reichen Länder diese reichlich nach Paternalismus klingende Verantwortung wahr? Nichtregierungsorganisationen sind sich im strengen, erwartbaren Urteil einig: nein. Ihnen sind die zugesagten - erheblichen - Summen noch immer viel zu wenig. Dabei zeigen die Aufsteigerländer mindestens das: Den Aufstieg verdanken sie grosso modo nicht Alimenten, sondern vernünftiger Politik. Das ist der richtige Ansatzpunkt.
Text: F.A.Z., 09.06.2007, Nr. 131 / Seite 1
Bildmaterial: dpa
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