Thabo Mbeki

Der Sprecher Afrikas?

Von Thomas Scheen

Kanzlerin Merkel empfing Mbeki in Heiligendamm

Kanzlerin Merkel empfing Mbeki in Heiligendamm

08. Juni 2007 Aus der Sicht des „Nordens“ ist Thabo Mbeki der natürliche Ansprechpartner in Afrika. Schließlich ist Südafrika das einzige halbwegs entwickelte Land, in dem zudem Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit nicht bloße Floskeln sind. Außerdem hat Südafrika den finanziellen Spielraum, seiner eigenen Afrika-Politik Taten folgen zu lassen. Nur: Hat Südafrika eigentlich eine Afrika-Politik?

Der Führungsanspruch des 64 Jahre alten Volkswirtes Mbeki auf dem Kontinent ist nicht unumstritten. Zum einen wird Südafrika als Wirtschaftsriese wahrgenommen, dem man sich kaum widersetzen kann. Zum anderen hat das wenig zimperliche Vorgehen südafrikanischer Unternehmer bei ihrer Durchdringung des Kontinents dem Land am Kap das unschmeichelhafte Prädikat eingebracht, sich als neue Kolonialmacht aufzuführen.

Werben um die „afrikanische Renaissance“

Die Vorbehalte erhalten auch dadurch Nahrung, dass Mbekis außenpolitische Bilanz dürftig ist: Als Vermittler im ivorischen Bürgerkrieg ist er ebenso gescheitert wie bei dem Versuch, seinen irrlichternden Nachbarn Robert Mugabe mit „stiller Diplomatie“ zu politischen Kompromissen anzuhalten.

Insofern muss das Werben Mbekis um die „afrikanische Renaissance“ mit Vorsicht betrachtet werden. Der südafrikanische Präsident ist zwar immer der Erste, der die afrikanische Eigenverantwortlichkeit betont. Er war der maßgebliche Initiator des afrikanischen Entwicklungsplanes Nepad, der diese Eigenverantwortung zum Maßstab erhoben hatte. Im Fall von Mugabe aber weigert sich Mbeki nicht nur hartnäckig, die Vorgänge in Zimbabwe zu verurteilen, er übte beim jüngsten Gipfeltreffen der Staatengemeinschaft im südlichen Afrika auch noch den Schulterschluss mit dem Tyrannen.

Aidsgefahr jahrelang heruntergeredet

Darüber hinaus dürfte dem Südafrikaner die Zusage der G-8-Länder, bis zu 60 Milliarden Dollar für die Bekämpfung unter anderem von Aids bereitzustellen, nicht geschmeckt haben. War er es doch, der die Gefahr von Aids jahrelang herunterredete und sich gar zu der These verstieg, die Ursache dieser Krankheit sei nicht das HI-Virus, sondern Armut und mangelnde Hygiene. Mittlerweile ist die offizielle Position der südafrikanischen Regierung zwar eine ganz andere. Dafür aber musste das Parlament erst den Präsidenten überstimmen.

Ohnehin ist Mbeki für Kritik nicht empfänglich. Er gilt zwar als arbeitswütiger Manager, nicht aber als jemand, der eine andere Meinung akzeptieren kann. Diese Unfähigkeit zur Kritik hatte Nelson Mandela bei den Präsidentenwahlen 1999 veranlasst, für einen anderen Nachfolger zu werben, nämlich Cyril Ramaphosa. Mbeki setzte sich durch und vergraulte den populären Ramaphosa durch allerlei Verschwörungsvorwürfe.

Mbeki hat in Großbritannien Volkswirtschaft studiert und galt über viele Jahre als der Chefdiplomat des „African National Congress“ (ANC), als dieser in Südafrika verboten war. Er ist seit 1974 mit Zanele Dlamini verheiratet. Sein einziger Sohn Kwanda, der aus einer jugendlichen Verbindung stammt, war in den achtziger Jahren getötet worden, als er versuchte, illegal Südafrika zu verlassen und seinem Vater ins Exil zu folgen. Das Grab des Jungen wurde niemals gefunden.

Text: F.A.Z., 09.06.2007, Nr. 131 / Seite 10
Bildmaterial: REUTERS

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