Fünfundsiebzig Jahre lang bildete das schweizerische Bankgeheimnis einen Grundpfeiler der nationalen Identität. Unter dem Druck der Krise und des protestierenden Auslands ist es nun gefallen - sehr zum Unmut der Eidgenossen. Von Jürg Altwegg
Rekorde sind in ihrer Wortbedeutung zwar Phänomene, die es wert sind, dass man sie sich merkt. Aber alles Sinnen und Trachten einer hochspezialisierten Branche zielt darauf, sie auszulöschen und durch neue zu ersetzen. Von Evi Simeoni
Solange sie nur die Beete und Pflanzen gleichmäßig benetzt, ist die Gießkanne ein geachtetes Werkzeug. Sobald sie zur Metapher für die Verteilung von Finanzmitteln wird, hat sie allen Kredit verspielt. Von Paul Ingendaay
Das Wort Dumping steht schon seit 1955 im Duden, die Dumpinglöhne jedoch bis heute nicht. In aller Munde sind sie trotzdem. Ein etymologischer Streifzug erklärt, warum nicht nur die bezeichnete Sache, sondern auch der Begriff auf den Müll gehört. Von Christian Heger
Wird schon irgendwie vorübergehen, das dachten viele, als sie in die Krise stolperten. Und schon deuten diverse Frühindikatoren eine Erholung an. Auch der Aktienmarkt hat wieder Hoffnung geschöpft. Und wie könnten Leute irren, die gemäß ihren Erwartungen über Erwartungen über Erwartungen handeln? Von Jan Grossarth
In den sozialistischen Diktaturen schien das Geld nur ein Spielzeug. Man hätte sich gerne einmal von ihm regieren lassen anstatt von den sozialistischen Halunken. Doch dann lernte man die wahre Natur dieser rasenden Bestie kennen. Von Péter Esterházy
Ganz offensichtlich ist es dem Menschen eine Lust, auch in weitgehend unsicherer Lage irgendwann wieder zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Die Hirnforschung hat da inzwischen einiges beigesteuert. Von Joachim Müller-Jung
Früher, als das steife Substantiv Verwerfungen noch im Duden vor sich hin schlief, benutzten es allenfalls Geologen und Psychoanalytiker. Heute hört man das Wort überall, das seine Karriere vor allem unserem Exkanzler Schröder verdankt. Von Karl-Heinz Ott
Annie Leibovitz, die für Vanity Fair unvergessliche Cover schuf, ist verschuldet. Immer wieder, heißt es, habe sie Kredite aufgenommen, um ihren Lebensstil bezahlen zu können. Jetzt will eine New Yorker Finanzfirma 24 Millionen Dollar von ihr. Von Tobias Rüther
Auch wenn jedes zweite amerikanische Haus, das in den ersten drei Monaten dieses Jahres seinen Besitzer gewechselt hat, eine zwangsversteigerte oder eine Short-Sale-Immobilie war, Beverly Hills und Bel Air werden nicht so bald verslumen. Von David Wagner
Weniges macht die Leute unglücklicher als Ungleichheit. Das macht die Krise, die manchen Milliardär zum Millionär machte, eigentlich zum Harmonie fördernden Phänomen. Doch welche Art von Gleichheit wird erst der Aufstieg der Millionen in China und Indien bringen? Von Rainer Hank
Das Schweinegrippenvirus ist bei den meisten noch gar nicht wirklich angekommen. So wie sich die Dinge entwickeln, fühlt sich die Mehrheit momentan ausschließlich vom Hörensagen betroffen - ähnlich wie bei der Geldkrise. Von Joachim Müller-Jung
Der Küchenmeister namens Schmalhans hat völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf. Was heißt denn schon Krise, wenn es ums Essen geht? Nicht schlechter essen ist die Alternative, sondern selbst Hand anlegen. Von Jürgen Dollase
Glücksspiel und Banken lassen sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen: Viele kleine Vermögen konzentrieren sich in den Händen weniger - die damit große und riskante Unternehmungen finanzieren können. Das erklärt einiges der segensreichen kapitalistischen Dynamik. Von Christoph Albrecht