15. Juli 2009 Wenn es richtig dicke kommt, blühen die Utopien. Denn die Macher müssen sich beweisen, dass es trotz trauriger Rahmenbedingungen für sie noch etwas zu bewegen gibt. Aber wissen wir denn, wie in einem nach allen demographischen Erkenntnissen höchstwahrscheinlich bevölkerungsärmeren und angesichts der derzeitigen ökonomischen Entwicklungen hochwahrscheinlich industriell weniger prosperierenden Deutschland der Energiebedarf im Jahr 2050 aussehen wird?
Wir wissen es nicht. Was wir dagegen wissen: Zur Deckung von fünfzehn Prozent dieses gar nicht quantifizierbaren Bedarfs werden wir vierhundert Milliarden Euro aufwenden müssen, wenn das Desertec-Vorhaben zur Ökostromgewinnung durch Sonnenkraftwerke in der Sahara realisiert werden soll.
Klingt nach politischem Fiasko
Abgesehen davon, dass sich noch jede Kostenprognose für Projekte annähernd vergleichbarer Größenordnungen (Raumfahrt, Militär) binnen kurzem als zu niedrig erwiesen hat - man beachte nur die erwarteten Kosten für die Nabucco-Pipeline, die seit 2002 um mehr als fünfzig Prozent gestiegen sind, ohne dass nur ein Spatenstich getan worden wäre -, was uns besonders misstrauisch stimmt, ist das Gerede vom Wüstenstrom.
Phonetisch erinnert dieser Begriff verdächtig an ein anderes Großvorhaben, das höchst erfolgreich durchgeführt wurde, um dann nach dem Abschluss ein politisches Fiasko zu hinterlassen: die Operation Desert storm (Wüstensturm), mit der amerikanische Truppen 1991 die irakische Armee aus Kuweit vertrieben. Das überfallene Land wurde zwar befreit, die Lage im Mittleren Osten jedoch spitzte sich zu. Genau das droht nun auch Nordafrika, wenn die dortigen Staaten als Standorte für die avisierten Kraftwerke miteinander konkurrieren werden: Der Platz an der Sonne ist in der Sahara zu groß, als dass er für alle etwas abwürfe.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Disney/Cinetext
Mathematik: Wie man Tetraeder ![]()
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Ich würde mir nicht anmaßen, Angela Merkel in den Kopf schauen zu können...
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