Glossar der Krise
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Glossar der Krise

Antizyklisch

Von Christian Geyer

Gärtnern gegen die Krise

Gärtnern gegen die Krise

24. Juni 2009 Heute ist es so weit. Heute, am 24. Juni, kommt die neue Ausgabe meines persönlichen Krisenmagazins in den Handel: das Sommerheft der Zeitschrift „Landlust“. „Landlust“ macht vor, dass die Krise nur antizyklisch zu meistern ist. Wenn alle sparen, investiere! Wenn jeden die große Sorge überkommt, achte auf das kleine Glück! Wenn die ganze Welt an der Zukunft hängt, erde dich in der Gegenwart! Das sind die drei Glaubenssätze, mit denen „Landlust“ seit Monaten ihre Auflage in die Hunderttausende hinein steigert.

Sensen lernen, Sterne am Himmelzelt, Die Hebamme von Obertaufkirchen, Apfelkisten zimmern, Wir Gärtner Nimmersatt, Bergschuh fürs Leben, Alles eine Schwingungsfrage - Themen, mit denen das „geerdete Konzept“ von „Landlust“ der Krise trotzt. Es ist der Geist, mit wenigem, aber Wichtigem auskommen zu wollen, mit dem dieses Lese- und Lebensmodell den Nerv unserer Zeit trifft (siehe: „Landlust“ ist die Zeitschrift der Stunde).

Garten, Gott, Geselligkeit

Es ist allemal die kluge Philosophie der Vielfelderwirtschaft, die aus der „Landlust“ spricht: Lerne, nicht alles unter den Pflug des Berufs zu nehmen, nimm dir auch Zeit - quality time - für Garten, Gott und Geselligkeit! Die richtige antizyklische Pointe, auf die diese Überzeugung hinausläuft, lautet: Zum Wohlfühlen gehört ein Begriff des guten Lebens, über den man so gut unterrichtet nachdenken und nachlesen möchte, wie man es über politische oder wirtschaftliche Nachrichten tun kann.

Der unglaubliche Erfolg von „Landlust“ lehrt, dass es einen großen Bedarf gibt für Kultiviertes, das dem lähmenden Krisengefühl die Kraft des Persönlichen entgegensetzt. Der Differenzierungsgrad, der dabei erreicht wird, hängt naturgemäß von den jeweiligen Bauern ab, die die Kartoffeln pflanzen. Doch wie man sehen kann, braucht es kein Ressentiment, um sich als Krisengewinnler zu fühlen. In „Landlust“ kommt ein gediegener Antideterminismus zum Tragen, der keinem schadet und allen nützt: die Überzeugung, das man auch in Notzeiten nicht anonymen Kräften ausgeliefert ist - es vielmehr in der pflanzenden und dekorierenden Hand hat, was man aus dem Unvermeidlichen macht.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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