Die Vergänglichkeit der Liebe

15. Oktober 2009 Fidel Castro mag ein starrköpfiger Greis sein, der seine Ideale mit hohlem Pathos bis zum Untergang verteidigt. Blöd ist er aber nicht. Er ist sogar ein Prophet, denn in seiner Rede zum vierzigsten Jahrestag der kubanischen Revolution hat er die aktuelle Weltfinanzkrise vorausgesehen: "Dass die gegenwärtige Wirtschaftsordnung unhaltbar ist, zeigt die Schwäche und Verletzlichkeit des Systems, das unseren Planeten in ein gigantisches Kasino, Millionen Menschen und gelegentlich sogar ganze Gesellschaften in Glücksspieler verwandelt hat. Eine derartige Deformation führt die Weltwirtschaft zum unvermeidbaren Desaster." Und da Castro auch sonst gerne, lange und viel über sich, sein Volk und das Erdenrund spricht, wird einem dank dieser Rede das ganze Selbstverständnis des castristischen Kuba klar. Wie es um die Seele und Beschaffenheit der Insel in anderen Epochen bestellt war, zeigen literarische und journalistische Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten von Christoph Kolumbus und Alexander von Humboldt über Alejo Carpentier und Guillermo Cabrera Infante bis zu Zoé Valdés und Leonardo Padura. Jakob Strobel y Serra, Redakteur im Reiseblatt dieser Zeitung und selbst Autor dreier Reiseartikel in dem Buch, setzt mit den Texten das Bild eines Landes zusammen, das trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Widersprüche und Abgründe mehr Sympathien genießt als jede andere Insel der Karibik: "Kuba lässt niemanden unberührt. So ist es schon immer gewesen, seit jenem 28. Oktober 1492, als Christoph Kolumbus auf seiner ersten Amerika-Fahrt die Insel sah und in sein Logbuch schrieb, dass er noch nie einen schöneren Flecken Erde zu Gesicht bekommen habe. Seither emotionalisiert und polarisiert Kuba, schürt rasenden Hass oder rettungslose Liebe, immer Leidenschaft, nie Gleichgültigkeit. An Kuba denkt man mit pochendem Herzen." Selbst Humboldt vergaß dort seine Nüchternheit, und die Helden in den Büchern von Manuel Pereira oder Jesús Díaz gehen an dieser Passion fast zugrunde. Um diese Passion geht es in diesem Buch, um das, was Kuba in seinem Innersten ist: ein Land der Sehnsucht, der Liebe und ihrer Vergänglichkeit.

F.A.Z.

"Kuba" herausgegeben von Jakob Strobel y Serra. Erschienen in der Reihe: "Ein Reiselesebuch". Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009. 156 Seiten. Gebunden, 12,80 Euro.

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Kuba
von Strobel y Serra, Jakob
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Buchtitel: Kuba
Buchautor: Strobel y Serra, Jakob

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2009, Nr. 239 / Seite R6

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