Jenseits der Ruinen von Antigua

24. April 2008 Das zentralamerikanische Land Guatemala machte zuletzt solcherart Schlagzeilen: Während der Präsidentschaftskampagne im November waren zahlreiche, eher linksgerichtete Politiker ermordet worden, die Wahl gewann dann aber dennoch Álvaro Colom, ein Sozialdemokrat mit konkreten sozialen Vorstellungen. Licht und Schatten, Gewalt und Hoffnung liegen also nah beieinander in einem Land, dessen berühmtester Romancier Miguel Angel Asturias, Literaturnobelpreisträger des Jahres 1967, das Wort vom "magischen Realismus" erfunden hat. Dies war zweifellos auf den Stil seiner Romane gemünzt, doch muss sich, wer heute publizistisch über Guatemala schreibt, weniger mit Asturias messen - es gilt wohl eher Distanz zu markieren zu jenem in der Bundesrepublik der achtziger Jahre in bestimmten Kreisen recht populären Genre der gutgemeinten Dritte-Welt-Broschüre. Andreas Boueke, Jahrgang 1968, ist in seinem Buch mit dem bescheidenen Titel "Guatemala. Journalistische Streifzüge" jedenfalls meilenweit entfernt von antiimperialistischem Furor und Campesino-Kitsch. Gerade aber, weil er Projektionen und Ismen meidet, gelingen ihm eindrucksvolle Porträts jener auch im dritten Jahrtausend noch geradezu feudal ausgebeuteten Bauern und Fischer, die keinerlei Wettbewerbsregeln vor der Willkür der Monopole schützen. Doch ob nun Boueke - bereits zweimal vom Bundespräsidenten für seine Berichterstattung im Öffentlichen Rundfunk ausgezeichnet und seit Jahren Auslandsreporter für den SWR - Gefängnisse besucht oder Krankenhäuser, ob er an die Opfer der Todesschwadrone erinnert oder die alternativen Heilmethoden der Mayas beschreibt: Nie ist der Ton anbiedernd oder schrill. Dieses Buch ist deshalb alles andere als ein politisch korrekter Gegen-Reiseführer. Allerdings könnte es die notwendige Lektüreergänzung für jeden Guatemala-Touristen sein, der vom Land mehr zu sehen wünscht als Tikal und die Ruinen von Antigua.

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"Guatemala. Journalistische Streifzüge" von Andreas Boueke. Horlemann Verlag, Bad Honnef 2007. 238 Seiten, zahlreiche Fotos. Broschiert, 12,90 Euro.



Buchtitel: Guatemala - Journalistische Streifzüge
Buchautor: Boueke, Andreas

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2008, Nr. 96 / Seite R5

 
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